IS verbreitet neues Enthauptungs-Video

Die mutmaßliche Enthauptung eines weiteren Briten durch Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine Welle der Empörung im Heimatland des Opfers ausgelöst.

IS verbreitet neues Enthauptungs-Video
Peter Powell IS verbreitet neues Enthauptungs-Video

Premierminister David Cameron traf sich mit Geheimdienstlern, Armeeoffizieren und Vertretern des Außenministeriums, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der ehemalige Taxifahrer Alan Henning hatte sich im vergangenen Jahr einem Hilfskonvoi für syrische Flüchtlinge angeschlossen und war dabei am zweiten Weihnachtstag in die Hände der Terroristen gefallen.

Das Video, das die Enthauptung des 47-jährigen zeigen soll, mache deutlich, «wie abscheulich und barbarisch» die IS-Terroristen vorgingen, teilte Cameron mit. IS-Extremisten hatten zuvor die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines auf bestialische Weise getötet.

Die Echtheit des Videos war am Samstag noch nicht offiziell bestätigt, wenngleich die britischen Behörden keine Zweifel daran äußerten. Das Außenministerium in London hatte noch in der Nacht erklärt, man arbeite mit Hochdruck an der Verifizierung. Henning, Vater zweier Teenager aus Salford bei Manchester, war seit Dezember 2013 in der Gefangenschaft der Miliz.

Cameron hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Videos erklärt: «Wir werden alles tun, um diese Mörder zu jagen und sie zur Rechenschaft zu ziehen.» Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die mutmaßliche Enthauptung Hennings. Er kündigte an, die Verantwortlichen für alle Geisel-Ermordungen würden zur Rechenschaft gezogen. Britische Muslimverbände verurteilten das Vorgehen des IS ebenfalls umgehend.

Das Video ist nur eine Minute und elf Sekunden lang und folgt in der Aufmachung seinen Vorgängern: Das Opfer kniet in orangefarbener Häftlingskleidung, die an die der Gefangenen im US-Lager Guantanamo angelehnt ist, auf dem Erdboden. Neben ihm ist ein in schwarz gekleideter, völlig vermummter IS-Kämpfer zu sehen.

Henning muss ein vorbereitetes Statement vortragen. «Wegen der Entscheidung unseres Parlaments, den Islamischen Staat anzugreifen, werde nun ich, ein Mitglied der britischen Öffentlichkeit, den Preis für diese Entscheidung zahlen.» Das britische Unterhaus hatte am 27. September Militärschläge gegen den IS beschlossen. In den vergangenen Tagen beschossen britische Kampfflugzeuge erste Ziele im Irak.

Der mutmaßliche Mörder spricht mit britischem Akzent und wendet sich direkt an Cameron. «Das Blut von David Haines war an deinen Händen, Cameron. Alan Henning wird ebenfalls geschlachtet, aber sein Blut klebt an den Händen des britischen Parlaments.»

Noch drei Tage vor der Veröffentlichung des Videos hatte Hennings Ehefrau Barbara in einer Videobotschaft an die Entführer appelliert, ihren Mann freizulassen. Er sei auch nach den Maßstäben der islamischen Scharia-Gesetzgebung unschuldig. Seine Familie brauche ihn.

«Meine Gedanken sind in dieser Nacht bei Alans Frau Barbara, ihren Kindern und allen, die ihn geliebt haben», teilte Cameron mit. Henning sei nach Syrien gegangen, um Menschen in Not egal welcher Glaubensrichtung zu helfen. Seine Ermordung zeige, dass die Verdorbenheit der IS-Terroristen keine Grenzen kenne.

Wie in vorausgegangenen Videos wird auch in dem neuen Machwerk eine weitere Geisel als mögliches neues Opfer vorgeführt. Es handelt sich dabei um einen Entwicklungshelfer aus den USA.