Islam-Debatte: Forscher wirft Politik Stillstand vor

Die Parteien haben es nach Ansicht eines Experten für Religionspolitik versäumt, die Gesellschaft auf die wirkliche Integration anderer Religionen wie des Islams vorzubereiten.

«Die Religionspolitik steht seit mehreren Jahrzehnten still», sagte Thomas Großbölting, Zeithistoriker der Universität Münster, der Deutschen Presse-Agentur. «Die großen Parteien tun nichts dafür, die Debatte über die Bedeutung wie auch über die Grenzen von Religion in und für unsere Gesellschaft wirklich offen zu führen.»

Der Islam gehöre ohne Zweifel zu Deutschland. «Allerdings spiegelt dieser Satz nach wie vor nicht die Realität in unserem Land wider.» Tatsächlich gebe es weiterhin «eine große Distanz, die vor allem auf Unkenntnis basiert».

Damit sich ein Mentalitätswandel einstelle, bedürfe es «einer großen zivilgesellschaftlichen Diskussion und des Dialogs unter den Religionsgemeinschaften», sagte Großbölting. «Das aber fällt einer Gesellschaft wie der bundesdeutschen, die zunehmend religiös unmusikalisch wird, eher schwer.»