Islamisten greifen Universität in Kenia an: 17 Tote

Schwer bewaffnete Islamisten haben im Südosten Kenias eine Universität angegriffen und nach Medienberichten mindestens 17 Menschen getötet. Etwa 65 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte das kenianische Rote Kreuz mit.

Mehrere von ihnen seien in einem kritischen Zustand. Zeugen zufolge hatten die Täter am frühen Donnerstagmorgen die Moschee der Universität von Garissa attackiert und wahllos auf die Anwesenden geschossen. Später drangen sie offenbar in die Schlafsäle vor.

Bis zum Mittag seien 195 Studenten gerettet worden, hieß es. Es könnten aber noch zahlreiche Menschen in der Gewalt der Extremisten sein, sagte Innenminister Joseph Nkaissery. Nach 535 Studenten werde gesucht. Die Extremisten kontrollierten offenbar noch ein Wohnheim der Universität. Unter den Geiseln soll auch der Vize-Rektor der Universität sein.

Die somalische Terrormiliz Al-Shabaab bekannte sich zu dem Angriff. Ein ranghoher Sprecher der Gruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um «eine heilige Operation» mutiger Al-Shabaab-Kämpfer gehandelt. Weitere Details wollte der Mann, der sich in der Region Lower Juba im Süden Somalias aufhält und anonym bleiben wollte, nicht nennen. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht.

«Die Angreifer haben sich den Weg zum Haupttor der Universität Garissa gebahnt, indem sie die Sicherheitskräfte am Eingang gegen 5.30 Uhr niedergeschossen haben», hieß es in einer Polizeimitteilung. Anschließend sei es zu schweren Schusswechseln gekommen. Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, dem Gelände fernzubleiben.

«Jeder im Land ist dazu aufgerufen, wachsam zu sein, während wir unseren Feinden entgegentreten», hieß es in einer Mitteilung des Präsidenten Uhuru Kenyatta. Der deutsche Vizebotschafter in Kenia, Friedo Sielemann, erklärte: «Deutschland verurteilt diese schreckliche Terrorattacke auf die Universität Garissa - einen Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung - auf das Schärfste.» Die Bundesrepublik werde dem Land im Kampf gegen den Terrorismus in Ostafrika solidarisch zur Seite stehen.

Auch Stunden nach dem Beginn der Attacke blieb die Lage unübersichtlich. «Mir wurde gesagt, die Situation sei unter Kontrolle, aber es gibt noch keine Details», sagte der Sprecher des Innenministeriums, Mwenda Njoka.

Das kenianische Militär und die Polizei waren im Einsatz. Krankenwagen rasten zum Ort des Geschehens. Das Rote Kreuz richtete ein Zelt für Blutspenden ein.

Der «Standard» zitierte einen Sicherheitsbeamten mit den Worten, es habe zuvor Drohungen einer Terrorgruppe gegen die Universität gegeben. Garissa hat etwa 120 000 Einwohner und liegt rund 330 Kilometer östlich der Hauptstadt Nairobi unweit der Grenze zu Somalia.

Die Al-Shabaab verübt seit Jahren immer wieder Anschläge in Kenia, weil das Land mit Truppen gegen die Extremisten im Einsatz ist. Erst im Dezember hatten Unbekannte eine Granate in ein Café in Garissa geworden und zwei Menschen verletzt. Im April 2013 attackierten vier Männer ein Hotel in der Stadt und töteten sechs Menschen. Auch in Nairobi schlugen Terroristen bereits zu. Bei einem Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate in der kenianischen Hauptstadt waren im September 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.