Islamisten-Terror in Kenia: Mindestens 59 Tote in Einkaufszentrum

Islamistische Terroristen haben in einem Einkaufszentrum in Nairobi ein Blutbad mit mindestens 59 Toten und 175 Verletzten angerichtet und damit weltweit Entsetzen ausgelöst.

Islamisten-Terror in Kenia: Mindestens 59 Tote in Einkaufszentrum
Dai Kurokawa Islamisten-Terror in Kenia: Mindestens 59 Tote in Einkaufszentrum

Mehr als 24 Stunden nach dem Angriff hielt ein Terrorkommando der radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz am Sonntag noch immer mehrere Geiseln in seiner Gewalt. Es sei klar, wo sich die 10 bis 15 Angreifer aufhielten, aber die Lage bleibe «heikel», erklärte Innenminister Joseph Ole Lenku am Mittag vor Journalisten. Bis zum Nachmittag waren immer wieder Schüsse zu hören.

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilten den Überfall auf das Schärfste. Die USA sprachen von einem «sinnlosen Akt der Gewalt». Unter den Toten sind mehrere Ausländer, darunter mindestens drei Briten und zwei Franzosen. Nach Angaben des US-Außenministeriums wurden mehrere US-Bürger verletzt. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Hinweise darauf, dass auch Deutsche betroffen sein könnten. Zu Berichten über ein israelisches Eingreifen gegen die Geiselnehmer in Nairobi sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv: «Wir kommentieren ausländische Berichte nicht.»

Mindestens 18 maskierte und mit Maschinengewehren bewaffnete Terroristen hatten am Samstagmittag das exklusive Einkaufszentrum gestürmt, in dem vor allem Ausländer und reiche Kenianer shoppen gehen. Sie schossen um sich und warfen Granaten. Ein Augenzeuge in Nairobi sagte der dpa: «Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen.»

Die Islamisten-Miliz nannte den Angriff im Kurzmitteilungsdienst Twitter eine Vergeltungsschlag für «Verbrechen» der kenianischen Armee in Somalia. Kenia hatte das Nachbarland in den vergangenen Jahren beim Kampf gegen die Extremisten militärisch unterstützt. Der Überfall war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren.

In einem der letzten Al-Shabaab-Tweets in der Nacht hieß es, in dem Gebäude hätten sich noch mehrere «Mudschahedin» verschanzt. Die Männer seien «ruhig und preisen Allah, dass sie für diese Aufgabe ausgewählt wurden». Wenig später sperrte Twitter den Account.

Spezialeinsatzkräfte und Soldaten brachten in der Nacht das erste und das zweite Obergeschoss des Gebäudes unter ihre Kontrolle. Die Terroristen verschanzten sich mit einer unbekannten Zahl von Geiseln offenbar im dritten und vierten Stock. Es sei eine äußerst schwierige Operation für die Sicherheitskräfte. «Wir werden nichts unversucht lassen, um die Geiseln zu retten - auch, wenn es etwas länger dauern sollte», sagte der frühere Ministerpräsident Raila Odinga.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Verantwortlichen des Terroranschlags an. «Wir werden die Täter jagen, wohin sie auch rennen», sagte er in einer TV-Ansprache. Unter den Todesopfern sollen Berichten zufolge auch ein Neffe des Präsidenten sein. Insgesamt 1000 Besucher des Zentrums wurden nach offiziellen Angaben gerettet.

Die Europäische Union bot dem ostafrikanischen Land Hilfe an. «Wir wollen das Äußerste tun, um dazu beizutragen, dass solche Angriffe künftig verhindert werden», erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte den Islamistenangriff scharf: «Wir wünschen uns, dass es gelingt, die Täter und Hintermänner dieses schrecklichen Attentats schnell zur Verantwortung zu ziehen», erklärte der Minister in Berlin. «In dieser schweren Stunde fühlen wir uns dem kenianischen Volk tief verbunden.»

Auch Großbritannien sagte der ehemaligen Kolonie Unterstützung zu. Premierminister David Cameron verurteilte den Anschlag als «verabscheuungswürdig.» Großbritannien werde alles tun, um der kenianischen Regierung in der «Stunde der Not» zu helfen, sagte Cameron der BBC nach einer Sitzung des Krisenstabs der Regierung.

Die Solidarität unter den Kenianern ist derweil riesig. Nachdem das Rote Kreuz und andere Organisationen dringend zu Blutspenden aufgerufen hatten, bildeten sich vor den eigens eingerichteten Zentren schon am Morgen lange Schlangen. Der Kurznachrichtendienst Twitter wurde von Solidaritätsbotschaften überschwemmt. Dennoch seien die Krankenhäuser völlig überfordert und hätten nicht genügend Blutkonserven, um die Verletzten zu behandeln, so das Rote Kreuz.