Islamisten töten bei Angriff auf Luxushotel in Mali 20 Menschen

Nach einem islamistischen Terrorangriff auf ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako ist die Geiselnahme von zeitweise bis zu 170 Menschen beendet. Das sagte der Innenminister des westafrikanischen Landes, Salif Traoré,.

Mindestens 20 Menschen kamen ums Leben, wie aus Kreisen der UN-Blauhelmmission in Mali (Minusma) verlautete. Unter den Toten seien auch zwei Angreifer. Zu dem Anschlag bekannten sich Berichten zufolge zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Islamistengruppen.

Die Angreifer hatten das Radisson Blu Hotel am Morgen in ihre Gewalt gebracht. Dem in Brüssel ansässigen Betreiber Rezidor zufolge waren zu dem Zeitpunkt 170 Menschen im Hotel. Malische Sicherheitskräfte begannen am Nachmittag, das Hotel zu stürmen. Sie wurden von US-Spezialeinheiten und französischen Truppen unterstützt. Über Stunden waren immer wieder Schüsse zu hören. Die Terroristen hatten sich im siebten Stock des Gebäudes verschanzt.

Der Innenminister wollte unter Verweis auf eine Pressekonferenz am Abend zunächst keine abschließenden Angaben zur Zahl der Todesopfer machen. Eine belgische Regionalverwaltung erklärte, einer ihrer Beamten sei bei dem Angriff umgekommen.

Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hielten sich zu Beginn der Geiselnahme auch vier Deutsche in dem Hotel auf. Sie hätten das Gebäude unversehrt verlassen können. In dem bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebten Hotel mit 190 Zimmern waren auch türkische, indische, chinesische, französische und belgische Staatsbürger.

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira und die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichteten, verantwortlich für den Angriff seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM).

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den «furchtbaren terroristischen Angriff». Ban kritisiere jeden Versuch scharf, die Bemühungen um Frieden und Versöhnung in Mali zu unterlaufen, sagte ein UN-Sprecher in New York.

Deutschland ist nach den Worten Steinmeiers nach wie vor zu einer Ausweitung seines Engagements in Mali bereit. «Wir schauen gemeinsam mit unseren Partnern, wie und wo das am wirkungsvollsten geschehen kann», sagte er bei einem Besuch in Sambias Hauptstadt Lusaka. «Der terroristische Angriff macht noch einmal allen bewusst, dass bis zu einer Stabilisierung Malis noch ein längerer Weg zu gehen ist.» Der islamistische Terror in der Region sei noch nicht besiegt. Mali sei weiterhin auf Hilfe durch die internationale Gemeinschaft angewiesen. Deutschland sei bereit, sein Engagement an der Seite Frankreichs auszuweiten.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach mit seinem malischen Kollegen Ibrahim Keita und sagte ihm Unterstützung zu. «Wieder wollen Terroristen ihre barbarische Präsenz zeigen an allen Orte, an denen sie töten können, wo sie Eindruck schinden und massakrieren können», sagte Hollande eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris.

Ein Polizeibeamter in Bamako sagte am Vormittag, die Angreifer hätten jene Geiseln freigelassen, die das islamische Glaubensbekenntnis aufsagen konnten. Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zu dem normalerweise sehr gut gesicherten Radisson zu erhalten. Medienberichten zufolge skandierten die Angreifer «Allahu Akbar» (Gott ist am größten).

Islamistische Attentäter hatten bereits im August ein Hotel in Sévaré angegriffen. Dabei starben 13 Menschen, darunter fünf UN-Mitarbeiter.

In Mali hatten mit dem Terrornetz Al-Kaida verbündete Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete im Norden des Landes erobert, bevor sie 2013 mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt wurden. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Stabilisierung Malis. Die UN-Mission hat momentan rund 9000 Soldaten und 1000 Polizisten in dem westafrikanischen Land stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich an der Ausbildung der malischen Streitkräfte.

Bundeswehr-Soldaten waren nicht unter den Geiseln im Hotel, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. In Mali sind aktuell rund 200 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali). Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten. Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten.