Islamisten töten bei Angriff auf Luxushotel in Mali 21 Menschen

Blutiges Ende einer mehrstündigen Geiselnahme im westafrikanischen Mali: Bei Terrorangriff von Islamisten auf ein Luxushotel in der Hauptstadt Bamako sind nach UN-Angaben mindestens 21 Menschen getötet worden.

Während die Geiselnahme nach der Stürmung des Hotels für beendet erklärt wurde, war bis zum späten Abend unklar, ob sich dort noch weitere Attentäter verschanzten. Zu dem Anschlag bekannten sich Berichten zufolge zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen. Frankreichs Regierung vermutet den Extremisten Mokhtar Belmokhtar hinter dem Terrorangriff.

Die Angreifer brachten das bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebte Radisson Blu Hotel am Morgen in ihre Gewalt. Laut dem in Brüssel ansässigen Hotelbetreiber Rezidor befanden sich zu dem Zeitpunkt 170 Menschen im Gebäude. Medienberichten zufolge riefen die Angreifer «Allahu Akbar» (Gott ist am größten). Laut einem Polizisten in Bamako ließen sie jene Geiseln frei, die das islamische Glaubensbekenntnis aufsagen konnten.

Malische Sicherheitskräfte stürmten das Hotel am Nachmittag. Sie wurden von US-Spezialeinheiten und französischen Truppen unterstützt. Über Stunden waren immer wieder Schüsse zu hören. Die Terroristen hatten sich im siebten Stock des Gebäudes verschanzt.

Am Abend sagte ein Sprecher der UN-Mission in Mali, Olivier Salgado, zwei Angreifer seien von Spezialkräften überwältigt worden. Das Hotel werde noch «von Zimmer zu Zimmer» durchsucht. «Da könnte es noch böse Überraschungen geben.» Bislang seien 21 Tote und drei Schwerverletzte gezählt worden.

Ob noch mehr Attentäter beteiligt waren, blieb zunächst unklar. Laut dem malischen Innenministerium wurden zwei Angreifer getötet. Abschließende Angaben zur Zahl der Todesopfer wollte die Behörde vorerst nicht machen, eine für den Abend angesetzte Pressekonferenz wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira und die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichteten, verantwortlich für den Angriff seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM). Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte dem Fernsehsender TF1, Belmokhtar habe die Geiselnahme sehr wahrscheinlich organisiert.

Der vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärte einäugige Al-Kaida-Veteran gilt als Anführer des Terrornetzes im nördlichen Afrika. Islamistische Attentäter hatten bereits im August ein Hotel im malischen Sévaré angegriffen und 13 Menschen getötet, darunter 5 UN-Mitarbeiter.

Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hielten sich zu Beginn der Geiselnahme am Freitag auch vier Deutsche in dem Hotel auf, die das Gebäude unversehrt verlassen konnten. In dem Hotel mit 190 Zimmern waren auch türkische, indische, chinesische, französische und belgische Staatsbürger.

Frankreichs Präsident François Hollande sagte seinem malischen Kollegen Ibrahim Keita Unterstützung zu. «Wieder wollen Terroristen ihre barbarische Präsenz zeigen an allen Orte, an denen sie töten können, wo sie Eindruck schinden und massakrieren können», sagte Hollande eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den «furchtbaren terroristischen Angriff» und kritisierte ihn als Versuch, die Bemühungen um Frieden und Versöhnung in Mali zu unterlaufen. Die USA boten Ermittlungshilfe an.

Deutschland ist nach Steinmeiers Worten nach wie vor zu einer Ausweitung seines Engagements in Mali bereit. «Wir schauen gemeinsam mit unseren Partnern, wie und wo das am wirkungsvollsten geschehen kann», sagte er bei einem Besuch in Sambias Hauptstadt Lusaka. «Der terroristische Angriff macht noch einmal allen bewusst, dass bis zu einer Stabilisierung Malis noch ein längerer Weg zu gehen ist.» Mali sei weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen - und Deutschland sei bereit, sein Engagement an der Seite Frankreichs auszuweiten.

In Mali hatten mit Al-Kaida verbündete Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete im Norden des Landes erobert, bevor sie 2013 mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt wurden. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Stabilisierung des Landes. Die UN-Mission hat momentan rund 9000 Soldaten und 1000 Polizisten in Mali stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich an der Ausbildung der malischen Streitkräfte.

Bundeswehr-Soldaten waren nicht unter den Geiseln im Hotel, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte. In Mali sind aktuell rund 200 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali). Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten. Die Bundesregierung erwägt derzeit, den Einsatz auf den unruhigen Norden auszuweiten.