Israels Schas-Partei: Alle Abgeordneten treten zurück

Politisches Drama in Israels strengreligiöser Schas-Partei: Nach einem internen Streit sind am Dienstag alle zehn Abgeordneten im Parlament geschlossen zurückgetreten.

Der Parteivorsitzende Arie Deri bestätigte, er habe dem Parlamentspräsidenten Juli Edelstein seinen Rücktrittsbrief übergeben. Das Parlament hatte sich allerdings zu Monatsbeginn bereits selbst aufgelöst, um den Weg für Neuwahlen zu ebnen.

Deri reagierte mit dem Schritt auf die Veröffentlichung von Videoaufnahmen des vor gut einem Jahr gestorbenen spirituellen Schas-Führers Rabbi Ovadia Josef. Josef hatte den Politiker in den Aufnahmen aus dem Jahre 2008 scharf kritisiert und unter anderem als «Dieb» bezeichnet. Deri hatte wegen Bestechlichkeit mehrere Jahre in Haft verbracht und dann 2013 wieder die Führung der Partei übernommen.

Nach Veröffentlichung der Videos hatte Deri bereits angekündigt, er wolle den Parteivorsitz niederlegen. Es war allerdings zunächst unklar, ob Deris Rücktritt endgültig sein wird. Der spirituelle Führungsrat von Schas hatte mitgeteilt, man werde eine Amtsniederlegung von Deri nicht akzeptieren. Politische Beobachter sprachen von einem möglichen Manöver Deris, um wieder größere Unterstützung innerhalb der Partei zu gewinnen.

Schas, früher drittgrößte Partei im Parlament und häufig «Zünglein an der Waage», war nach dem Ausscheiden von Deris Rivalen Eli Jischai bereit deutlich geschwächt. Jischai hatte zuletzt eine eigene Partei gegründet. Der jüngste Zwist könnte der Fraktion nun bei den Neuwahlen im März weiteren Schaden zufügen. Schas wurde in den frühen 80er Jahren als politische Stimme der aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum stammenden (sefardischen) Juden in Israel gegründet.