Mindestens 30 Tote bei Terroranschlag im türkischen Suruc

Bei dem schwersten Terroranschlag seit mehr als zwei Jahren in der Türkei sind in der Stadt Suruc an der Grenze zu Syrien mindestens 30 Menschen getötet worden. Die gewaltige Explosion am Montag verletzte zudem rund Hundert Menschen, wie das türkische Innenministerium mitteilte.

Der Gouverneur der Provinz Sanliurfa sagte nach Angaben der Zeitung «Hürriyet», es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP machte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich, die in großen Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen hat.

Suruc liegt an der Grenze zu Syrien. Die benachbarte syrisch-kurdische Stadt Kobane war im vergangenen Jahr Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) und dem IS. Ende Januar hatten die kurdischen Milizen Kobane aus den Händen des IS befreit.

Der Sprengsatz in Suruc explodierte nach Medienberichten im Garten eines Kulturzentrums, wo sich Anhänger einer sozialistischen Jugendorganisation zu einer Pressekonferenz versammelt hatten. Rund 300 Jugendliche hätten an dem Treffen teilgenommen. Nach Angaben der Organisation wollten sie ins benachbarte Kobane reisen, um dort Hilfe zu leisten.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Tat bei einem Besuch in Nordzypern und sagte, er verdamme die Täter im Namen des Volkes für ihre «Bestialität». Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu wurde am Abend mit einem seiner Stellvertreter und zwei Ministern in Suruc erwartet.

Kurz nach der Explosion in Suruc wurden im syrischen Kobane mindestens zwei Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) durch eine Autobombe getötet. Kurdensprecher Idriss Nassan sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Bombe sei an einem Kontrollpunkt in der Nähe einer Schule explodiert. Zunächst war unbekannt, wer für die Explosion verantwortlich ist.

Im osttürkischen Diyarbakir waren kurz vor der Parlamentswahl am 7. Juni bei zwei Sprengstoffanschlägen auf eine Veranstaltung der prokurdischen Partei HDP mindestens vier Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Der Täter war kurz nach dem Attentat festgenommen worden. Nach Angaben seiner Familie war er Anhänger des IS.

Der Anschlag in Suruc ist der schwerste in der Türkei, seit im Mai 2013 in der Grenzstadt Reyhanli zwei Autobomben explodierten und 51 Menschen in den Tod rissen. Die türkische Regierung machte damals die linksextreme DHKP-C mit Kontakten zum syrischen Regime für die Tat verantwortlich. Der syrische Präsident Baschar al-Assad wies den Vorwurf zurück. Ankara betreibt den Sturz Assads. Ihre Truppen an der Grenze zu Syrien hat die Türkei in den vergangenen Wochen verstärkt.