Nach Putschversuch: Erdogan spricht von Welle der "Säuberung"

Der Versuch eines Putsches in der Türkei hat einen blutigen Ausgang genommen. Mehr als 2800 Putschisten wurden festgenommen, über 2700 Richter abgesetzt. Der türkische Präsident spricht von "Säuberung" - Obama und Merkel mahnen rechtsstaatlichen Umgang an.

Nach Putschversuch: Erdogan spricht von Welle der «Säuberung»
Str Nach Putschversuch: Erdogan spricht von Welle der «Säuberung»

Die türkische Führung setzt nach dem gescheiterten Putschversuch die von Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigte "Säuberung" des Militärs um und geht auch hart gegen Richter vor. Weltweit wurde der versuchte Umsturz durch türkische Militäreinheiten verurteilt - Regierungschefs und Präsidenten westlicher Demokratien mahnten aber die Einhaltung rechtsstaatlichen Handelns an.

US-Präsident Barack Obama rief alle Parteien in der Türkei zu "gesetzmäßigem Handeln" auf. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte den Putschversuch "aufs Schärfste", mahnte aber zugleich die Einhaltung demokratischer Werte bei der Verfolgung der Urheber an. "Gerade im Umgang mit den Verantwortlichen für die tragischen Ereignisse der letzten Nacht kann und sollte sich der Rechtsstaat beweisen." Die Demokratie achte die Rechte aller und sei die beste Grundlage dafür.

Gauck mahnt zu Rechtsstaatlichkeit

Auch Bundespräsident Joachim Gauck erklärte: "Meine Erwartung an die türkische Regierung besteht darin, dass bei der Aufarbeitung dieses ganzen Geschehens die rechtsstaatlichen und demokratischen Grundsätze gewahrt werden."

Der Sender CNN Türk meldete am Samstagabend, der Verfassungsrichter Alparslan Altan sei festgenommen worden; aus Regierungskreisen verlautete, auch sein Kollege Erdal Tezcan sei in Gewahrsam genommen worden - wie zuvor schon zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats und fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte.

2700 Richter wurden abgesetzt - fast ein Fünftel der schätzungsweise rund 15 000 Richter in der Türkei. Der Chef der Richtergewerkschaft Yargiclar, Mustafa Karadag, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul, nicht nur mutmaßliche Unterstützer des Putsches, sondern auch völlig unbeteiligte Kritiker von Erdogan würden festgenommen.

2800 Putschisten festgenommen

Offiziellen Angaben zufolge wurden in einer ersten Aktion auch mehr als 2800 Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen. Fünf Generäle und 29 Oberste sollen nach Angaben aus Regierungskreisen ihrer Posten enthoben worden sein.

Erdogan kündigte eine "vollständige Säuberung" des Militärs an. Er bezeichnete den Freitagnacht gestarteten Putschversuch dafür als einen "Segen Gottes". Acht türkische Soldaten setzten sich mit einem Militärhubschrauber nach Griechenland ab und beantragten dort politisches Asyl. Sie sollten möglicherweise ausgeliefert werden.