Italien sprengt Terrornetz - Festnahmen in mehreren Ländern

Nach jahrelangen Ermittlungen hat die italienische Polizei ein international operierendes islamistisches Terrornetzwerk aufgedeckt. Am Donnerstag wurde 17 Haftbefehle erlassen, gegen 16 Kurden und einen Kosovaren.

Italien sprengt Terrornetz - Festnahmen in mehreren Ländern
Alessandro Di Meo Italien sprengt Terrornetz - Festnahmen in mehreren Ländern

Sieben Personen seien in Italien festgenommen worden, vier in Großbritannien und drei in Norwegen, teilte Carabinieri-General Giuseppe Governale in Rom mit. Sie hätten Attentate im Nahen Osten und in Europa geplant, allerdings nicht in Italien. Mehrere der Gesuchten sind womöglich bei Kämpfen in Syrien und im Irak umgekommen.

Die Gruppe soll unter anderem vorgehabt haben, mit Geiselnahmen norwegischer Diplomaten den seit 2012 in Norwegen im Gefängnis sitzenden Terrorchef Mullah Krekar freizupressen. Dieser habe das Netz auch aus der Haft heraus gesteuert. Er soll dort laut Abhörprotokollen gesagt haben, dass mindestens 100 Personen in Europa zum Kampf bereitstünden. Der radikale Sunnit soll aus dem Irak geflohen sein und in Norwegen politisches Asyl erhalten haben.

Die Islamisten planten ihre Taten anscheinend unter anderem von Meran in Südtirol aus. Governale sagte, dass von den sieben in Italien Festgenommenen vier in Meran, zwei in Bozen und einer in einem Dorf bei Bozen lebten. Sie wurden dort seit längerem abgehört.

Der General bestätigte, dass man bewusst am 12. November zugeschlagen habe: dem Jahrestag eines Terroranschlags auf eine italienische Carabinieri-Einheit in Nassirija im Irak im Jahr 2003. «Das Datum ist kein Zufall, wir wollen auf diese Weise an die Gefallenen im Irak erinnern, dem gleichen Gebiet, wo diese Terrororganisation entstanden ist», sagte Governale. Er sprach von «der wichtigsten Polizeioperation in Europa in den letzten 20 Jahren».

An den von der europäischen Justizbehörde Eurojust koordinierten Ermittlungen waren nach italienischen Angaben auch Behörden aus Großbritannien, Norwegen, Finnland, Deutschland und der Schweiz beteiligt. Der Chef der italienischen Antimafia- und Antiterrorbehörde, Franco Roberti, sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, dass es Verbindungen zwischen den Festgenommenen und der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebe.