Jahresendspurt: Deutsche Exportwirtschaft hat Flaute überwunden

Die kräftige Nachfrage aus den EU-Partnerländern nach Waren «Made in Germany» zieht die deutsche Exportwirtschaft aus der Flaute.

Jahresendspurt: Deutsche Exportwirtschaft hat Flaute überwunden
Marcus Brandt Jahresendspurt: Deutsche Exportwirtschaft hat Flaute überwunden

Im November stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Das ist das vierte Monatsplus in Folge und dürfte endgültig das Ende der Schwächephase bedeuten. Der Außenhandelsverband BGA betonte, der deutsche Außenhandel arbeite sich weiter aus der Stagnation heraus.

Im Verlauf des neuen Jahres sei mehr Dynamik zu erwarten. Schon zum Jahreswechsel hatte BGA-Präsident Anton F. Börner für 2014 prognostiziert: «Die deutschen Exporte werden um bis zu drei Prozent wachsen und ein neues Allzeithoch von 1142 Milliarden Euro erreichen.»

Um 2013 das vom BGA angestrebte Miniwachstum von 1,0 Prozent zu erreichen, müsste sich der Jahresendspurt im Dezember fortgesetzt haben: In den ersten elf Monaten 2013 steht noch ein Minus von 0,5 Prozent, während die Importe um 1,3 Prozent sanken.

Gegenüber November 2012 stiegen die deutschen Ausfuhren um 1,0 Prozent auf 94,6 Milliarden Euro. Die Einfuhren sanken um 0,4 Prozent auf 76,5 Milliarden Euro. Die Handelsbilanz, die die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren abbildet, wies im November einen Überschuss von 18,1 Milliarden Euro aus. Damit wurde der Rekordwert von 20,4 Milliarden Euro vom September zwar nicht wieder erreicht. Dennoch dürfte die Kritik anhalten, wonach Deutschland auf Kosten anderer Länder lebt.

2013 geht die deutsche Exportstärke allerdings nicht zulasten der Europartnerländer, die sich nur mühsam aus der Krise schleppen, wie Experte Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg betont: «Deutschland hat in den ersten elf Monaten 2013 einen Handelsüberschuss von 184 Milliarden Euro angehäuft, davon stammt aber nur eine Milliarde Euro aus dem Handel mit den Euroländern, weil die deutschen Exporte dorthin stärker fielen als die Importe.» Mehr als drei Viertel des Überschusses habe Deutschland mit Drittländern außerhalb der Europäischen Union erwirtschaftet.

Vielmehr werde der deutsche Konjunkturmotor den Europartnern 2014 auf die Beine helfen: «Wir erwarten, dass die kräftige Binnennachfrage die Importe stärker befeuern wird als die globale Nachfrage die Exporte.» Ohnehin profitieren die Euroländer durch Vorleistungen von der deutschen Exportstärke, wie Experten immer wieder betonen: In Produkten «Made in Germany» stecken massenhaft Importe aus dem Ausland.

Für die steigenden Ausfuhren im November waren insbesondere EU-Länder verantwortlich, die nicht der Eurozone angehören, wie etwa Großbritannien oder Polen: In die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wurden im November Waren im Wert von 19,1 Milliarden Euro ausgeführt, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Exporte in Euroländer stiegen minimal um 0,1 Prozent auf 34,3 Milliarden Euro, die Ausfuhren in Drittländer stagnierten bei 41,2 Milliarden Euro.

Dass die Ausfuhren in den Euroraum das Vorjahresniveau halten können, nährt nach Überzeugung von BayernLB-Ökonom Stefan Kipar die Hoffnung, dass sich die Güterströme dorthin angesichts der Konjunkturerholung in den Krisenländern spürbar verstärken werden. Damit würde der Außenhandel das deutsche Wachstum wieder antreiben: «Nachdem der Außenhandel im dritten Quartal das Wachstum in Deutschland gebremst hat, sollte der Wachstumsbeitrag im Laufe des kommenden Jahres wieder positiv werden.» Im Winterhalbjahr seien aber noch keine spürbar positiven Wachstumsimpulse aus dem Ausland zu erwarten.