Japanische Geldflut treibt die Aktienmärkte an

Die überraschend gelockerte japanische Geldpolitik hat auch den deutschen Aktienmarkt nach oben getrieben. Im frühen Handel legte der Dax um 1,37 Prozent auf 9240,08 Punkte zu.

Damit folgte der deutsche Leitindex den starken Auslandsvorgaben insbesondere aus Tokio und knüpfte an seine dreitägige Gewinnserie an.

Da die Preise in Japan nicht wie erwartet steigen, weitet die japanische Zentralbank die Geldversorgung stärker als bislang geschehen aus. Die lockere Geldpolitik vieler Notenbanken gilt an den Aktienmärkten als einer der wichtigsten Kurstreiber der vergangenen Jahre. Nachdem erst am Mittwoch die US-Zentralbank Fed das Ende ihrer Anleihenkäufe angekündigt hatte, reagierten Anleger auf die Geldflut aus Japan nun umso erfreuter.

Der japanische Nikkei-Index der 225 führenden Werte des Landes gewann bis zum Handelsschluss 4,83 Prozent auf 16 413,76 Punkte. Er schloss damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2007. Auch andere asiatische Börsen lagen teils deutlich im Plus.

Die Kauflaune schwappte auch auf den deutschen und andere europäische Märkte über. Bereits am Vortag waren die Kurse an der Wall Street dank guter US-Wirtschaftsdaten gestiegen.

Auf Wochensicht winkt dem Dax auf dem aktuellen Niveau nun ein Plus von 2,80 Prozent. Selbst die Bilanz für den Oktober sieht mit aktuell minus 2,47 Prozent deutlich weniger schlimm aus als noch zur Monatsmitte. Damals war das wichtigste deutsche Börsenbarometer wegen Sorgen um die Konjunktur auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr gefallen.

Den Kurssprung von 4,16 Prozent, der dem Halbleiterkonzern Infineon an die Dax-Spitze verhalf, führten Händler auf positiv aufgenommene Zahlen eines Branchenkollegen aus den USA zurück. Die Papiere von Lanxess verteuerten sich um 2,24 Prozent. Der Chemiekonzern will einem Medienbericht zufolge im Zuge seines Sparprogramms bis zu 1200 Arbeitsplätze streichen.

Die Aktien japanischer Unternehmen, die stark vom Export abhängen, profitierten von dem schwachen Yen, der im Zuge der weiteren monetären Lockerung auf ein Sechsjahrestief zum US-Dollar gedrückt wurde. Die Papiere des Kameraherstellers Canon oder der Autobauer Honda und Toyota verbuchten deutliche Kursaufschläge von um die 4 Prozent. Dagegen stiegen die Anteilsscheine von Sony als einer der schwächsten Nikkei-Werte lediglich um 0,83 Prozent. Der Elektronikkonzern war im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres angesichts des schleppenden Mobilfunkgeschäfts tiefer in die roten Zahlen gerutscht.

Auch die anderen deutschen Indizes profitierten von den Nachrichten aus Japan: Der MDax der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen stieg um 1,06 Prozent auf 16 023,75 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,88 Prozent auf 1238,98 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,22 Prozent hoch.

Auf dem Tagesplan stehen vor dem Wochenende noch eine Reihe von Konjunkturdaten. Dazu zählen die Vorabschätzung der Verbraucherpreise der Eurozone. Am Nachmittag folgen noch Daten aus den USA. Nach der jüngsten Zahlenflut am deutschen Aktienmarkt wurde es hier etwas ruhiger. Im Dax standen am Freitag keine Quartalsberichte auf der Agenda.