Japans Handelsdefizit steigt massiv

Neue Daten vom japanischen Außenhandel haben erneut die negativen Begleiterscheinungen des wirtschaftspolitischen Regierungskurses des Landes offengelegt. Nach Zahlen vom Montag erhöhten sich im Juli zwar die Ausfuhren Japans deutlich um 12,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Das ist der stärkste Zuwachs seit Ende 2010.

Japans Handelsdefizit steigt massiv
Kimimasa Mayama Japans Handelsdefizit steigt massiv

Noch deutlicher aber stiegen die Einfuhren, sie legten im Jahresvergleich um 19,6 Prozent zu. Als wesentlicher Grund für beide Entwicklungen gilt der schwache Yen - ein Produkt der als «Abenomics» bekannten Wirtschaftspolitik Japans.

Das Defizit in der japanischen Handelsbilanz weitete sich indes stark aus. Es stieg von 182 Milliarden Yen im Vormonat auf rund eine Billion Yen im Juli. Das ist der dritthöchste jemals verzeichnete Fehlbetrag. Der Handelsbilanzsaldo liegt seit mittlerweile mehr als einem Jahr im roten Bereich - ein für das exportstarke Japan sehr ungewöhnlicher Zustand.

Das Konzept der seit Spätherbst amtierenden Regierung unter Premier Shinzo Abe sieht vor, die wachstumsschwache und unter Preisverfall leidende Wirtschaft Japans durch eine aggressive Geldpolitik und expansive Fiskalpolitik anzuschieben. Insbesondere die Geldschwemme der Bank of Japan hat den Yen seither massiv geschwächt, was japanische Produkte auf den Weltmärkten verbilligt und die Exporte steigen lässt.

Allerdings verteuern sich zugleich die Einfuhren Japans. Dies wiegt um so schwerer, als die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt gegenwärtig stark auf Energieimporte angewiesen ist, weil ein Großteil seiner Atommeiler infolge der Katastrophe von Fukushima abgeschaltet ist.

Unterdessen hat sich die Deutsche Bundesbank in die lange Reihe der Kritiker an der neuen Wirtschaftspolitik gestellt. Die Regierungslinie dürfte die japanische Konjunktur zwar vorübergehend stark anschieben, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank vom Montag. «Mittelfristig entpuppt sich diese Entwicklung aber als konjunkturelles Strohfeuer, dessen Erlöschen die Wirtschaft ab 2015 tendenziell belastet.» Viele Beobachter sehen derzeit die Gefahr, dass die Wirkung der Abenomics auf längere Sicht verpufft, falls die Regierung nicht bald wirtschaftliche Reformen etwa auf den Arbeits- und Gütermärkten folgen lässt.