Jede achte Frau bekommt Brustkrebs: Mediziner werben für Vorsorge

Brustkrebs kann immer früher erkannt und besser behandelt werden. In 80 Prozent der Fälle können die Frauen erfolgreich therapiert werden, erläuterten Mediziner am Donnerstag in München zum Auftakt der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS).

«Heutzutage ist die Diagnose Brustkrebs keineswegs ein Todesurteil», sagte DGS-Vizepräsident Diethelm Wallwiener. In der Mehrzahl der Fälle könne die Brust zudem erhalten werden. Auch an den Lymphknoten unter den Achseln könne schonender operiert werden, das mindere Langzeitbeschwerden.

Rund 2500 Ärzte befassen sich bei dem Kongress bis Samstag mit den Erkrankungen der Brust. Brustkrebs ist mit mehr als 70 000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebsform bei Frauen. Jede Achte erkrankt daran. Bei der genetischer Vorbelastung liegt das Risiko bei 80 Prozent - und 60 Prozent für Eierstockkrebs.

Eine Alternative zu der radikalen Entscheidung zur Entfernung der Brust bei erhöhtem erblich bedingtem Risiko, wie sie US-Schauspielerin Angelina Jolie traf, seien engmaschige umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen. Zudem habe der Lebensstil entscheidenden Einfluss, sagte Co-Kongresspräsidentin Marion Kiechle. Rückfallrisiko und Sterblichkeit seien bei Patientinnen um 50 Prozent gesunken, wenn sie regelmäßig Sport trieben.

Sehr viel hängt von der frühen Diagnose ab. «Je früher Sie den Krebs entdecken, desto besser ist er zu behandeln und desto mehr Frauen überleben», unterstrich die Leiterin des Referenzzentrums Mammografie München, Sylvia Heywang-Köbrunner. Bislang gebe es noch keine konkreten Erkenntnisse aus dem Brustkrebs-Screnning in Deutschland. «Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass alle Parameter die EU-Leitlinien erfüllen, mit einer Ausnahme: die Teilnahmerate - weil die Frauen das Angebot nicht annehmen.»

Die Zahlen in Deutschland dürften aber nicht wesentlich von anderen europäischen Ländern abweichen. Nach neuesten Daten aus 18 Screeningländern sei die Sterblichkeit bei den qualitätsgesicherten Programmen um 43 Prozent reduziert worden.

Der Skandal um minderwertige Brustimplantate hat nicht zu größerer Zurückhaltung bei den Frauen geführt. Weder im ästhetischen Bereich noch bei der Rekonstruktion der Brust nach einer Krebsoperation würden weniger Implantate eingesetzt als zuvor, sagte Kongresspräsident Axel-Mario Feller. Die Frauen informierten sich aber differenzierter als früher. Die Mehrzahl der minderwertigen Implantate sei entfernt worden, allerdings hätten die betroffenen Frauen sehr unterschiedlich reagiert. Einige hätten sich nach entsprechenden Untersuchungen entschieden, erst einmal abzuwarten, andere seien «nahezu panisch» gekommen und hätten die Implantate sofort entfernt haben wollten.