Jemen: Erschossener deutscher Polizist war Botschafts-Leibwächter

Deutschland will die Botschaft im Jemen auch nach der Ermordung eines Sicherheitsbeamten geöffnet lassen. Der 39-Jährige - ein Bundespolizist und Leibwächter der Botschafterin - war von drei unbekannten Männern getötet worden.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt entschied sich gegen eine Schließung. Zugleich kehrte Botschafterin Carola Müller-Holtkemper an die Vertretung in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zurück, wie eine Ministeriumssprecherin mitteilte. Die Diplomatin war nicht im Land, als ihr Leibwächter am Sonntag erschossen wurde.

Der Verdacht richtet sich gegen einen Ableger der Terrororganisation Al-Kaida. Die Hintergründe der Tat liegen jedoch im Dunkeln. Den drei Männern gelang die Flucht. In die Ermittlungen schalteten sich auch die deutschen Behörden ein.

Die Bundesregierung widersprach zugleich Berichten, wonach eigentliches Ziel des Angriffs die Botschafterin war. «Die Botschafterin war außer Landes. Deswegen ist ein Entführungsversuch gegen sie ausgeschlossen», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Andreas Peschke. Die 57-Jährige ist erst seit wenigen Tagen auf Posten in Sanaa. Zuvor war sie Botschafterin in Albanien.

Der Bundespolizist war am Sonntag in der Nähe eines Supermarkts im Stadtteil Hadda überfallen worden. Offen blieb zunächst, ob er privat unterwegs war oder im Dienst. Der Fernsehsender «Al-Yemen Al-Youm» berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass drei bewaffnete Männer mit einem Auto vorgefahren seien und das Feuer eröffnet hätten. Der Deutsche sei von vier Schüssen tödlich getroffen worden.

Der Leibwächter war bereits seit einiger Zeit in Sanaa im Einsatz. Die Bundespolizei ist mit insgesamt etwa 250 Beamten auch für den Schutz von deutschen Auslandsvertretungen zuständig. Für Krisenländer wie den Jemen, den Irak oder Afghanistan gibt es eine eigene Einheit von etwa 80 Beamten, die sich um den Personenschutz von Botschaftern kümmert.

Ministeriumssprecher Peschke sagte: «Wir sind bemüht, den Sachverhalt und die Hintergründe der Tat restlos aufzuklären.» Auch die Sicherheitsvorkehrungen für die Botschaft würden nochmals überprüft. Die Botschaft war im Sommer aus Sicherheitsgründen bereits zwei Wochen lang dicht geblieben. Für den gesamten Jemen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Mehrfach wurden dort auch schon Bundesbürger entführt.

Im krisengebeutelten Jemen ist die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) aktiv. Westliche Geheimdienste halten sie derzeit für einen der gefährlichsten Ableger des Terrornetzes weltweit. Die jemenitischen Sicherheitskräfte sind im Kampf gegen Al-Kaida weitgehend machtlos. Deshalb toleriert die Regierung die Angriffe der US-Armee, die gelegentlich mit Kampfdrohnen mutmaßliche Terroristen in dem südarabischen Land tötet. Die Drohnenangriffe sind in der Bevölkerung allerdings nicht sehr populär.

Kurz nachdem der Leibwächter erschossen worden war, entführten Unbekannte im Norden von Sanaa einen Mitarbeiter des UN-Kinderhilfswerks (Unicef) aus Sierra Leone. Nach Informationen der jemenitischen Nachrichtenwebsite «Barakish.net» soll es sich um die gleichen Männer handeln, die zuvor den Deutschen getötet hatten. Dies wurde von offizieller Seite zunächst nicht bestätigt.