Schiff mit 458 Menschen kentert in Tornado auf dem Jangste

Die Suche nach mehr als 440 Vermissten eines Schiffsunglücks auf dem Jangtse-Fluss in China ist voll angelaufen. Das Ausflugsschiff «Stern des Orients» war mit 458 Menschen an Bord in einem Tornado gekentert.

Nur ein Dutzend Überlebende wurde zunächst gerettet. Aus dem Rumpf des kieloben in 15 Meter tiefem Wasser liegenden Schiffes drangen am Dienstag Klopfzeichen. Die Bergung läuft. Wie viele Opfer es insgesamt gegeben hat, war zunächst unklar. Vorerst wurde der Fund von fünf Leichen gemeldet.

An Bord waren meist ältere chinesische Touristen. Unter den wenigen Geretteten sind der Kapitän und Chefingenieur, die in Polizeigewahrsam kamen. Sie gaben an, dass plötzlich ein Tornado das Schiff in Schieflage und zum Kentern gebracht habe. Es sei «innerhalb von ein oder zwei Minuten» gesunken, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den Kapitän. Das Wetterbüro bestätigte, dass es zum Zeitpunkt der Katastrophe am Montagabend starke Wirbelstürme in dem Gebiet gegeben habe.

Die «Stern des Orients» war auf dem Weg von Nanjing in Ostchina nach Chongqing im Südwesten, als das Unglück flussabwärts des berühmten Touristenziels der Drei Schluchten bei Jianli (Provinz Hubei) passierte. Starker Wind mit Geschwindigkeiten «bis zu 120 Kilometer pro Stunde» habe das Schiff kentern lassen, schrieb auch die Zeitung «Hubei Ribao» unter Hinweis auf Meteorologen.

Unter den 458 Menschen an Bord sind nach Angaben von Xinhua 406 Passagiere, 47 Besatzungsmitglieder und 5 Reisebüromitarbeiter gewesen. Es habe nach ersten Ermittlungen genug Schwimmwesten gegeben. Auch sei das fast 20 Jahre alte Schiff nicht überladen gewesen. Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte umfassende Bemühungen zur Rettung der Überlebenden. Premier Li Keqiang eilte zum Unglücksort, um die Arbeiten zu koordinieren.

Von dem 76 Meter langen Schiff ragten nur der Kiel und halb die Schiffsschraube sowie das Ruder aus dem Wasser. Starker Wind und schwere Regenfälle behinderten die Bergungsarbeiten. Taucher retteten am Dienstag eine 65 Jahre alte Frau aus dem Schiff. Ob noch Hoffnung für die anderen Vermissten bestand, war ungewiss.

Mehr als 3000 Polizisten, Soldaten und Helfer sowie mehr als 30 Schiffe und mehr als 100 kleinere Boote waren im Einsatz. Allein die paramilitärische Polizei schickte mehr als tausend Soldaten, die mit 40 Schlauchbooten bei den Bergungsarbeiten helfen sollen.

Mehr als 100 Reisende an Bord hatten die elftägige Reise über ein Shanghaier Reisebüro gebucht. Verzweifelte Angehörige suchten dort vergeblich nach Informationen. Das Reisebüro war geschlossen. Nach Angaben von Xinhua waren die Touristen meist zwischen 60 und 80 Jahre alt. In der online vorliegenden Passagierliste rangierte das Alter von 3 bis 83 Jahren. Die meisten stammten aus Shanghai und der angrenzenden Provinz Jiangsu. Es gab zunächst keine Hinweise, dass Ausländer an Bord gewesen seien.