Jim Morrison wäre 70 geworden

Wahrscheinlich wäre die Mähne heute grau oder ausgefallen. Vielleicht wäre er Juror in einer Castingshow oder würde an irgendwelchen Musikprojekten basteln, die keiner hören will.

Jim Morrison wäre 70 geworden
Manfred Rehm Jim Morrison wäre 70 geworden

Oder er würde als alter Mann immer noch gute Musik machen wie Paul McCartney oder Eric Clapton. Aber Jim Morrison starb jung und wurde zu der Legende, die er eigentlich schon zu Lebzeiten war. Am Sonntag wäre der Poet, Musiker, Revoluzzer, Künstler - und das Sexsymbol - 70 geworden.

Der kleine James Douglas Morrison war ein guter Schüler, doch in der Pubertät aufsässig. Die Eltern schickten ihn zu den streng presbyterianischen Großeltern, die harte Abstinenzler waren - ausgerechnet ihn, der später keine Droge ausließ. Vater und Sohn prägten die Epoche auf ihre Weise: George Morrison legte Wert auf Bildung und arbeitete sich bei der Marine bis zum Admiral hoch. Während er einen ganzen Flugzeugträgerverband vor Vietnam befehligte, rief zu Hause sein Sohn zum Umsturz auf: «Mich interessiert alles, was mit Revolte, Unordnung, Chaos zu tun hat - ganz besonders Handlungen, die scheinbar keinen Sinn haben.»

Das klang ein bisschen nach Poesie, und Morrison war ja auch gar kein Musiker, sondern ein Dichter. Eigentlich hatte er Film studiert bei Josef von Sternberg, der eine gewisse Marie Dietrich, die sich Marlene nannte, zum Star gemacht hatte. Doch die Gedichte blieben sein Lebensinhalt und irgendwann vertonte er sie. Mit Kommilitone Ray Manzarek gründete er eine Band: «The Doors», nach dem psychedelischen Essay «Die Pforten der Wahrnehmung» von Aldous Huxley.

Anfangs spielten sie im «Whisky a Go Go» in Hollywood. Der Nachtclub ließ leicht bekleidete Mädchen auf Podesten tanzen und
erfand so die Gogo-Girls. Ende der Sechziger spielten hier für ein paar hundert Dollar Van Morrison, The Byrds, Frank Zappa - und eben die «Doors». Viele der großen Hits, allen voran «Light My Fire», wurden vom Gitarristen Robby Krieger geschrieben. Doch Morrison war das Gesicht der Gruppe. Er wurde gekannt. Und geliebt. Und gehasst.

Denn mit dem Ruhm kamen nicht nur die Neider, sondern auch die Staatsgewalt. Mag heute jeder Kleinstadtmusiker auf Revoluzzer machen, damals konnte man noch einer sein. Immer wieder unterbrach die Polizei die oft gewalttätigen Konzerte, und der «Miami-Vorfall» tat sein übriges: Hatte sich Morrison nun öffentlich entblößt oder nicht? Das Gericht verurteilte ihn zu gemeinnütziger Arbeit, später wurde er begnadigt. Sehr viel später. Genauer gesagt im Dezember 2010, fast 40 Jahre nach seinem Tod.

Der Ruhm ließ nach, die Gesundheit auch. Alkohol und Rauschgift hatten aus dem einstigen Sexsymbol einen dicklichen, bärtigen Mann gemacht, der ständig unter Atemnot litt. Die wilde Mähne, frisiert nach einer Büste Alexanders des Großen, war strähnig geworden. In Paris wollte er sich inspirieren lassen - obwohl er gar kein Französisch sprach.

Was genau am 3. Juli 1971 in der Pariser Wohnung geschah, ist bis
heute nicht klar. Seine Freundin Pamela Courson sagte, sie habe den im Schlaf keuchenden Morrison geweckt und unter die kalte Dusche gestellt. Da habe er sich erbrochen und aus der Nase geblutet. Als die Sanitäter kamen, war er schon tot. Angeblich hatte Courson erst einmal ein paar Freunde und ihren Drogendealer angerufen, dann erst Polizei und Notarzt. Den Pariser Behörden war der tote Amerikaner zu
unwichtig, als dass sie eine Obduktion angeordnet hätten.

Er wurde gerade einmal 27 Jahre alt - so wie Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Curt Cobain oder Amy Winehouse. Und schon war die Legende vom «Club 27» in der Welt, weil auffällig viele Musiker, gewollt oder nicht, mit 27 ihr Leben per Flasche, Spritze oder Flinte aushauchten. Auch Pamela Courson. Morrisons Dauerfreundin starb drei Jahre nach ihm - an Drogen.