Joachim Löw: «Wir hatten das Spiel absolut im Griff»

Fragen an Bundestrainer Joachim Löw nach dem 2:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation in Tiflis gegen Georgien.

Joachim Löw: «Wir hatten das Spiel absolut im Griff»
Arne Dedert Joachim Löw: «Wir hatten das Spiel absolut im Griff»

Wie beurteilen Sie diesen 2:0-Erfolg?

Wenn wir vor dem Spiel auf die Tabelle geschaut haben, war ein gewisser Ernst zu erkennen. Wir wussten natürlich, dass wir drei Punkte erzielen mussten, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Wir haben das Spiel klar dominiert. Wir haben auch klar gewonnen. Wir hatten das Spiel absolut im Griff. Mit der ersten Halbzeit war ich wirklich sehr zufrieden, weil die Mannschaft da sehr konsequent nach vorne agiert hat, sehr dynamisch gespielt hat mit viel Druck aufs Tor.

Und nach der Pause?

In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel vielleicht insgesamt ein bisschen verwaltet. Wir hatten nicht mehr diesen Zug zum Tor. Wir hatten zwar viel Ballkontrolle und Ballbesitz, aber nicht mehr diese Häufigkeit von ganz gefährlichen Situationen im Strafraum. Aber letztendlich haben wir drei Punkte gemacht und dem Gegner fast keine Chance zugelassen.

War Geduld in diesem Spiel das Zauberwort?

Geduld war gefragt, weil der Gegner auch nach dem 0:2 nicht hinten rauskam. Man hat nicht das Gefühl gehabt, dass Georgien versucht, dieses Spiel zu drehen. Sie wollten das Spiel so gestalten, dass sie möglichst wenig Tore kassieren. Wenn neun Leute wie im Feldhandball um den Strafraum stehen, kann man nicht immer tief spielen. Dann braucht man auch manchmal Geduld und Ballzirkulation, um den Gegner vor Probleme zu stellen und andere Lücken aufzureißen.

Jetzt macht die Nationalmannschaft wieder mehr als zwei Monate Pause. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Das ist keine ungewohnte Situation. Das erste halbe Jahr ist immer so, dass nur ein, zwei Spiele stattfinden. Der Termin dann unmittelbar nach der Saison, nach dem Pokalfinale und dem Champions-League-Finale, kann man nicht unbedingt als glücklich bezeichnen. Weil die Spieler, die gerade bei der WM dabei waren, normalerweise einen längeren Urlaub verdient hätten.

Was erwarten Sie in dieser Phase von Ihren Spielern?

Ich erwarte jetzt von den einzelnen Spielern, dass sie ihre Aufgabe im Verein wie bisher auch konzentriert erfüllen. Jetzt geht es um die Endphase. Alle haben Ziele, die sie erreichen müssen. Natürlich wird jetzt die ganze Konzentration in den Vereinen gebündelt. Wir spielen jetzt im Sommer einen Test gegen die USA. Das ist für mich wieder die Möglichkeit, das eine oder andere auszuprobieren. Gegen Gibraltar werden wir gewinnen. Und dann werden die Kräfte bei uns wieder gebündelt, wenn wir im September, Oktober und November die Spiele haben. Erfahrungsgemäß sind wir dann besser in Form. Weil wir mehr Möglichkeiten haben, zusammen zu spielen und zu trainieren. Im zweiten halben Jahr ist bei uns immer eine bessere Leistung abgerufen worden.

Bastian Schweinsteiger ist zurückgekehrt. Wie würden Sie seine Wirkung beschreiben?

Es geht weniger um das eine Spiel. Es war natürlich wichtig, dass er auf dem Platz war. Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Ilkay Gündogan können auf dieser Position ein Spiel prägen, weil sie ballsicher sind, weil sie den Rhythmus vorgeben. Bastian Schweinsteiger hat natürlich seinen Wert für die Mannschaft. Jeder weiß, was er im WM-Finale geleistet hat. Er hat jetzt wieder diesen Rhythmus und die Erfahrung. Damit kann er der Mannschaft schon entscheidend helfen. Er ist der Kapitän, er hat natürlich viel Einfluss in der Mannschaft.