John Galliano zurück im Modezirkus

Der Kontrast könnte größer kaum sein: Hier John Galliano, «Showman» der Mode und Liebhaber des großen Laufsteg-Auftritts - dort Martin Margiela, der nie sein Gesicht nach Schauen zeigte.

John Galliano zurück im Modezirkus
Lucas Dolega John Galliano zurück im Modezirkus

An diesem Freitag (6. März) wird Galliano seine erste Prêt-à-Porter-Kollektion als Kreativdirektor der Marke Maison Margiela (vorher Maison Martin Margiela) in Paris zeigen. Dass er nach dieser Schau wie in seinen Jahren bei Dior prachtvoll kostümiert den Beifall entgegennehmen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Für beide Seiten bedeutet die Pariser Premiere einen Aufbruch zu neuen Ufern: Maison Martin Margiela ist seit dem Rückzug des Markengründers 2009 ohne «Kopf» ausgekommen. Und für Galliano ist es der erste feste Job in der Modewelt seit vier Jahren. Am 1. März 2011 gab das Haus Dior die endgültige Trennung von seinem langjährigen Chefdesigner bekannt.

Galliano hatte zuvor volltrunken mehrere Gäste einer Bar im Pariser Marais-Viertel mit antisemitischen Äußerungen beleidigt und einen Skandal verursacht. Mit der Trennung von Dior verlor Galliano auch seinen Posten als Chefdesigner der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Marke John Galliano.

Inzwischen hat der Brite sich offenkundig gewandelt. In einem Interview mit der Zeitschrift Vanity Fair im Juli 2013 beschrieb er vollkommen uneitel seine langjährige Alkohol- und Drogensucht, die demnach zu mentalen Ausfällen geführt hatte. «Ich wäre entweder im Irrenhaus gelandet oder sechs Fuß unter der Erde», sagte er. Nach den Vorfällen in Frankreich hatte er sich einer Entziehungskur unterzogen und war eine Weile abgetaucht. Erst vor zwei Jahren wagte Galliano es wieder, einzelne Aufträge anzunehmen.

Sein Fall scheint einer griechischen Tragödie zu entstammen. Kaum ein Designer wurde so gefeiert wie der «wilde Brite». Jahrelang begeisterte er die Modeszene: Über seinen Laufsteg trippelten aristokratische Damen in kostbaren Pelzen, Straßenmädchen in Wäschekleidern, bunt bemalte Indianerinnen, brave College-Schülerinnen oder ein Mix aus alldem.

Schon als Kind soll Galliano den großen Auftritt geliebt haben. Der Designer, der am 28. November 1960 in Gibraltar zur Welt kam und auf den Namen Juan Carlos Antonio Galliano getauft wurde, hat mediterrane Wurzeln. Seine aus Spanien stammende Mutter soll ihm (nach dem Umzug der Familie nach London) auf dem Küchentisch Flamenco beigebracht haben. Während seines Studiums an der Londoner Kreativschmiede Central Saint Martins College of Art & Design fiel Galliano in der Szene der 1980er Jahre mit selbst kreierten Kostümierungen auf.

Zu Beginn der 1990er Jahre machte der Designer mit seinen poetischen Entwürfen Furore. 1995 wurde er zum Chefdesigner des Hauses Givenchy berufen. Ein Jahr später übernahm er das Szepter bei Dior. Schnell vergessen waren die Kommentare französischer Zeitungen, die sich darüber aufregten, dass ein unkonventioneller Brite die kreativen Geschicke des urfranzösischen Modehauses steuerte. Dank Galliano geriet jede Dior-Schau zum Ereignis.

Dass John Galliano eines der größten Talente der Modeszene ist, bleibt unumstritten. Ob sein romantischer Stil zu den intellektuellen Entwürfen des Hauses Margiela passt, wird sich zeigen. Die Kostprobe, die er mit einer kleinen Haute-Couture-Kollektion für Margiela in London im Januar gab, sprach zumindest dafür. Ein Anfang ist gemacht.