Joop: "Der Mutige entsteht immer aus dem Feigling"

Beruflich hat sich der Modedesigner Wolfgang Joop (68) einen Traum erfüllt: Sein Mode-Label «Wunderkind» ist zurück auf den internationalen Laufstegen.

Joop: «Der Mutige entsteht immer aus dem Feigling»
Britta Pedersen Joop: «Der Mutige entsteht immer aus dem Feigling»

Dank seiner Autobiografie «Undressed - Aus einem Leben mit mir» hätten sich der Potsdamer und seine Tochter Jette Joop (45) nun auch wieder angenähert, sagte Joop der Nachrichtenagentur dpa vor seinem geplanten Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse. «Wir haben uns über die Vergangenheit und das gemeinsame Leben ausgesprochen», sagte der Designer.

Frage: Wie geht es weiter?

Antwort: Ich glaube, dass das eintritt, was ich in meinem Buch geschrieben habe: Eine Familie muss ein Oberhaupt wählen, das ein Happy End diktiert. Das werde ich tun. Ich glaube, wir alle sind dazu bereit - weil jeder von uns das Happy End braucht.

Frage: Worum ging es Ihnen beim Verfassen Ihrer Autobiografie?

Antwort: Es handelt sich nicht um eine Aufzählung und Eroberungen, wie man es oft bei Zeitgenossen lesen muss und manchmal amüsiert oder aber erschrocken ist. Es war ein Moment des Innehaltens für mich, in dem ich mein Leben betrachte habe. Ich wollte mich nicht mit Korrekturen der Geschichte aufhalten, sondern meine Motivation erkennen lassen, warum ich lebe, wie ich lebe - und zeigen, dass ich auch manchmal ratlos bin. Dabei habe ich versucht, nur Dinge zu erzählen, die exemplarisch sind für andere. An dieser Figur, die hier in Potsdam im Krieg geboren wurde, sich heimatlos gefühlt und immer wieder neu erfunden hat auf einem Weg zwischen unterschiedlichen Ideologien. Es ist ja interessant, wie meine Generation verschiedene Ideologien angedacht und versucht hat, sie umzusetzen - und was davon geblieben ist.

Frage: Ex-Tennisstar Boris Becker stürmt derzeit mit seinen Enthüllungen die Buch-Charts, erntet aber auch Hohn und Spott für seine Biografie. Von Ihnen auch? 

Antwort: Es ist ein bisschen das Schicksal eines Wunderkindes, das mich sehr betroffen macht. Ich habe ihn früher oft getroffen. Der Junge hat unser Antlitz in der ganzen Welt verändert. Hinzu kommt sein tiefer Glaube, immer beliebt und gefragt zu sein. Zugleich ist er dadurch das Bild des ewigen tragischen Machos, der verführt wird und nicht verführt. Ähnliches kann ich in meinem Buch nicht berichten.

Frage: Gleichwohl gewähren Sie dem Leser einen sehr persönlichen Blick in Ihre Welt. Dazu gehören auch Ihre Anfänge als Designer und die Freundschaft zu Jil Sander. Haben Sie noch Kontakt? 

Antwort: Nein, leider nicht. Wir - Jil Sander und auch Karl Lagerfeld - haben ja zunächst ähnliche Erfahrungen und kommen aus dem kühlen Hamburg. Wir hatten Anfangs keine Lobby und keinen Background, der uns dahin geführt hat, wo wir heute stehen. Von uns dreien bin ich der Jüngste und vielleicht der Wagemutigste. Aber wir alle drei haben bislang keinen Nachfolger im Durchhalten in Deutschland gefunden. Das Überbegabte gilt bei uns in Deutschland schnell als exzentrisch und Modemachen wird der Selbstdarstellung bezichtigt. Dabei ist die Mischung von Kunst und Business Schwerstarbeit, die viele junge Leute aus der Kurve treibt, wie man es international beobachten kann.

Frage: Sie berichten von Unsicherheit, Einsamkeit und zahlreichen Niederlagen. Woher nehmen Sie die Kraft, immer wieder aufzustehen?

Antwort: Manchmal muss man sich einfach totstellen - und dann den Sprung wagen. Der Mutige entsteht immer aus dem Feigling. Die Überwindung von der Angst und der Schwäche, des Mankos - das zeichnet den wahren Mutigen aus.

Frage: Sind Sie sich heute Ihrer selbst sicher?

Antwort: Ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich bin mir sicher, dass das Leben von einem natürlichen Ablauf diktiert wird. Ich hadere darüber nicht, ich versuche mich darauf einzustellen. Ich habe dafür großartige Vorbilder in meinen Großeltern, meiner Mutter - und letztlich auch meinem Vater. Sie haben sich ihrem Schicksal gefügt. Glücksmomente sind knapp. Reichtum ist, unsere Welt und unser Leben zu begreifen. Das habe ich versucht zu erklären - indem ich von Verlusten, Ängsten, der Dankbarkeit und dem Staunen berichtet habe.

- Wolfgang Joop mit Rebecca Casati: «Undressed - Aus einem Leben mit mir.» Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 224 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-455-50299-2

Interview: Marion van der Kraats, dpa