JPMorgan schreibt rote Zahlen - erster Verlust für Konzernchef Dimon

Die Vergangenheit holt die erfolgsverwöhnte US-Großbank JPMorgan schmerzhaft ein. Das Institut, das selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise noch Gewinne schrieb, rutschte im dritten Quartal in die roten Zahlen.

Schuld sind milliardenschwere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 380 Millionen Dollar, wie das Institut am Freitag mitteilte. Vor einem Jahr hatte es noch 5,7 Milliarden Dollar verdient.

Für die zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen legte die Bank nun 9,2 Milliarden Dollar zur Seite. Das belastete den Nettogewinn allein mit 7,2 Milliarden Dollar. Damit liegen nun 23 Milliarden Dollar für mögliche Strafen und Schadenersatzansprüche bereit. «Angesichts steigender Forderungen und Strafen von Behörden hielten wir es für klug, unsere Rücklagen jetzt deutlich zu erhöhen», sagte Vorstandschef Jamie Dimon.

Der Manager deutete zugleich an, dass in den kommenden Quartalen noch mehr in die Vorsorge fließen könnte. Zuletzt war die Rede davon, dass JPMorgan mit den Aufsichtsbehörden allein wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise über einen 11 Milliarden Dollar schweren Vergleich verhandele. «Wir suchen weiter eine faire und vernünftige Einigung», sagte Dimon.

Im dritten Quartal zahlte das Institut bereits wegen mutmaßlichen Manipulation des US-Strommarkts 410 Millionen Dollar Strafe und wegen des Spekulationsdesasters um einen Derivatehändler mit Spitznamen «Wal von London» 920 Millionen Dollar. Auch im Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor wird gegen JPMorgan ermittelt.

US-Behörden hatten in den vergangenen Monaten den Druck auf das Institut wegen zweifelhafter Geschäfte aus der Vergangenheit erhöht. Viele Experten glauben, dass die Aufarbeitung der Altlasten erst jetzt richtig losgeht, nachdem sich der US-Bankensektor von der Folgen der Finanzkrise weitgehend erholt und stabilisiert hat.

Für Dimon ist es der erste Verlust seit seinem Amtsantritt 2006. Der «König der Wall Street» hatte JPMorgan in den vergangenen drei Jahren von einem Rekordgewinn zum nächsten geführt. Doch seit dem Bekanntwerden des 6,2 Milliarden Dollar schweren Spekulationsdebakel einer Londoner Abteilung im vergangenen Jahr steht er unter Beschuss.

Das Tagesgeschäft lief bei JPMorgan trotz allem besser als erwartet. Bereinigt um Sondereffekte wie die Rechtskosten und die Auflösung von Risikovorsorgen im Privatkundengeschäft verdiente JPMorgan 5,8 Milliarden Dollar. Das lag auch daran, dass die Kunden ihre Kredite angesichts der Wirtschaftserholung in den USA wieder zuverlässiger bedienen.