Jubel an den Finanzmärkten über anhaltende Geldflut

Die internationalen Finanzmärkte feiern euphorisch die anhaltende Geldflut der US-Notenbank. Die überraschend aufgeschobene geldpolitische Wende löste weltweit ein Kursfeuerwerk aus. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Donnerstag auf Rekordhöhen.

Viele Marktbeobachter hatten damit gerechnet, dass die weit geöffneten Geldschleusen nun allmählich geschlossen werden. Daher reagierten viele Experten auch besorgt. Der Kurs der Federal Reserve (Fed) berge Risiken, warnte ZEW-Präsident Clemens Fuest. Auch in Europa bestehe die Gefahr von Preisblasen.

Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend angekündigt, ihre zur Konjunkturstützung aufgelegten milliardenschweren Anleihekäufe in unveränderter Höhe beizubehalten und die Niedrigzinspolitik fortzusetzen. Sie begründete die Entscheidung vor allem mit der instabilen Wirtschaftslage, dem zuletzt deutlichen Anstieg der Markt- und Hypothekenzinsen sowie dem verhaltenen Preisauftrieb. Es müssten erst noch mehr Beweise vorliegen, dass die Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes tatsächlich gefestigt sei, erklärte der scheidende Notenbankchef Ben Bernanke.

«Die Entscheidung der Fed ist sowohl für uns als auch die Märkte eine Überraschung», kommentierten Experten der britischen Großbank Barclays.

An der New Yorker Wall Street waren die Leitindizes am Mittwochabend auf Rekordstände gestiegen. Sie lieferten damit die Vorlage für die Börsenplätze Asiens und Europas.

«Unserer Ansicht nach haben Ben Bernanke und seine Fed gestern Abend ihr letztes Stück an Glaubwürdigkeit verspielt», kommentierten die Analysten vom Bankhaus Metzler. «Denn was muss man schlussfolgern, wenn der Chef der US-Notenbank nicht in der Lage ist, die Konjunktur einigermaßen sicher drei Monate im Voraus abzuschätzen.»

Auch in Deutschland setzte der Dax seine Rekordjagd fort. Er sprang zeitweise über 8770 Punkte. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank kommentierte: «Die US-Notenbank geht auf Nummer sicher und will kein Konjunktur- oder Zinsrisiko eingehen.» Vorerst sei klar: «Money makes the markets go round», sagte Halver. «Die US-Notenbank bleibt weiter mit Vollgas auf dem Pedal», erklärte Experte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Ökonom Fuest vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnte, es sei «sicherlich das große Risiko dieser Politik des Gelddruckens, dass die Preise immer mehr in die Höhe gehen für Vermögensgüter». So bestehe die Gefahr einer erneuten Immobilienblase in den USA. Auch in Europa müsse man vor Preisblasen, die platzen könnten, auf der Hut sein. Große Erschütterungen an den Märkten weltweit wären die Folge.

«Die Fed hat es sich mit ihrer neuen Kommunikationsstrategie erschwert, ihre Geldpolitik nennenswert zu straffen, selbst wenn sie das später einmal für angebracht halten sollte», erklärte US-Experte Nils Jannsen vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Er hält die starre Koppelung der Niedrigzinspolitik der Fed an eine weitere deutliche Senkung der US-Arbeitslosigkeit für höchst riskant.

Auch am Devisenmarkt waren die Reaktionen heftig. Der US-Dollar fiel mit der Aussicht auf eine unverändert hohe Geldschwemme deutlich zurück. Der Euro stieg im Handelsverlauf bis auf 1,3569 US-Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar. Heftig reagierten auch die Kurse deutscher Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel ungewöhnlich deutlich um zehn Basispunkte auf 1,89 Prozent. Auf dieser Basis wird die Schuldenaufnahme für den Fiskus günstiger.

Besonders stark fiel die Reaktion in den Schwellenländern aus. Sie waren in den letzten Monaten massiv unter Druck geraten, weil erwartet wurde, dass die Fed aus ihrer Billiggeldpolitik aussteigt. Ausländische Investoren hatten bereits in erheblichem Umfang Gelder abgezogen. Insbesondere in Südostasien legten Aktien, Währungen und die Kurse von Staatsanleihen auf breiter Front zu. Vor allem die Börsen in Indonesien, Thailand, Indien und den Philippinen stiegen kräftig.