Kampf dem Smog: China will weniger Kohle verheizen

Im Kampf gegen die verheerende Luftverschmutzung will China seine starke Abhängigkeit von der Kohle verringern. Ein weitreichender Plan, den die Regierung in Peking am Donnerstag vorlegte, sieht einen Rückgang des Kohleanteils am Energieverbrauch bis 2017 auf 65 Prozent vor.

Kampf dem Smog: China will weniger Kohle verheizen
Wu Hong Kampf dem Smog: China will weniger Kohle verheizen

Heute liegt er bei etwa 70 Prozent. Die Produktion von Kernenergie soll in fünf Jahren verdreifacht und der Anteil erneuerbarer Energien stark ausgeweitet werden. Die Regierung will drastisch gegen veraltete Industrien oder kohlebetriebene Kraftwerke vorgehen, die stark die Luft verpesten. Mehr als ein Fünftel des weltweiten CO2-Ausstoßes stammt aus China.

Mit der Luftqualität in China sehe es «düster» aus, stellte der Staatsrat fest. Die hohen Belastungen mit gefährlichem Feinstaub «schaden der Gesundheit des Volkes und beeinträchtigen die soziale Harmonie und Stabilität». Der neue Plan ist eine Reaktion auf den verheerenden Smog, der zum Jahresanfang weite Teile des Landes heimgesucht hatte. Die Luftverschmutzung durch Kohleverbrennung kostet 500 Millionen Menschen im Norden Chinas im Schnitt 5,5 Jahre ihres Lebens, ermittelte im Juli eine wissenschaftliche Studie.

Die Regierung will die Luftverschmutzung durch Schlüsselindustrien bis 2017 um mehr als 30 Prozent verringern. Kombinierte Heiz- und Kraftwerke sollen dezentrale, kohlebetriebene Heizkessel ersetzen. Die Ausrüstung von Fabriken, Stahlwerken und Zementfabriken mit Entschwefelungsanlagen und anderen Umweltschutzeinrichtungen soll beschleunigt werden. Statt Kohle müssen vermehrt Gas und Strom eingesetzt werden. Der Plan will den Energieverbrauch gemessen an der industriellen Leistung in fünf Jahren um ungefähr 20 Prozent gegenüber 2012 reduzieren.

Die Produktion von Kernenergie wird bis 2017 von heute knapp 15 Millionen Kilowatt auf 50 Millionen ausgeweitet, sagt der Plan voraus. Heute habe der Atomstrom in China erst einen Anteil von 2 Prozent am Energieverbrauch, während es weltweit 15 Prozent seien, schrieb die Staatsagentur Xinhua. 28 Kraftwerksblöcke sind derzeit in China im Bau. Der Anteil erneuerbarer Energien, wozu China auch Wasserkraft zählt, soll von 9 Prozent (2012) auf 13 Prozent bis 2017 ausgeweitet werden. Der laufende Fünf-Jahres-Plan sieht allerdings schon bis 2015 einen Anstieg auf mehr als 11 Prozent vor.

Beim globalen Umweltschutz kommt China als weltweit größtem Klimasünder eine zentrale Rolle zu. Ohne ein globales Klimaschutzabkommen und eine Verteuerung der CO2-Ausstoßrechte droht der Kampf gegen die Erderwärmung zu einem finanziellen Desaster zu werden. Das ist das Ergebnis einer in Berlin vorgestellten Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass sich das globale Wirtschaftswachstum um bis zu sieben Prozent verringern könnte, wenn erst ab 2030 versucht werde, mit einer aktiveren Klimapolitik die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.