Karstadt-Aufsichtsrat tagt

Vor der Aufsichtsratssitzung beim angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt hat die Gewerkschaft Verdi noch einmal Investitionen von Eigentümer Nicolas Berggruen gefordert.

Karstadt-Aufsichtsrat tagt
Julian Stratenschulte

Berggruen müsse zudem die Tarifflucht des Unternehmens zurücknehmen, sagte die für den Handel in NRW zuständige Verdi-Bereichsleiterin Silke Zimmer am Donnerstag im WDR-Hörfunk.

Karstadt ist aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen, um keine Gehaltserhöhungen aus künftigen Tarifabschlüssen zahlen zu müssen.

Bei der turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung am Nachmittag wollen die Arbeitnehmervertreter auch über den bevorstehenden Chefwechsel bei Karstadt reden.

Das Unternehmen hatte am vergangenen Wochenende den Abgang von Konzernchef Andrew Jennings zum Jahresende 2013 bekanntgegeben.

Sein Ausscheiden lasse zusätzlichen Spekulationen freien Raum, sagte Zimmer. Die rund 20 000 Karstadt-Mitarbeiter erwarteten aber Sicherheit von Eigentümer Berggruen.

Die Beschäftigten hätten über acht Jahre lang durch den Verzicht auf Teile ihres Entgelts mehr als 650 Millionen Euro in ihr Unternehmen investiert, sagte Zimmer. Sie hätten dafür gesorgt, «dass es Karstadt in der heutigen Form überhaupt noch gibt».

Berggruen habe bei der Übernahme von Karstadt erklärt, die Beschäftigten hätten genug verzichtet. Daran solle sich der Investor jetzt auch halten.

Berggruen hatte vor einigen Tagen eingeräumt, die Probleme bei der Übernahme 2010 unterschätzt zu haben: «Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender», sagte er der «Bild»-Zeitung. Eine Sanierung sei immer ein langer Weg und «wir haben erst ungefähr die Hälfte hinter uns.»

Auch der Hemdenhersteller Olymp forderte von Berggruen rasche Investitionen. «Es ist ein Problem, dass nichts investiert wird, auch nicht vom Eigentümer Berggruen, das muss sich dringend ändern», sagte der geschäftsführender Gesellschafter Mark Bezner der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstag). Der «Investitionsstau», der in zahlreichen Karstadt-Filialen herrsche, müsse aufgearbeitet werden.