Karstadt-Eigentümer Berggruen kritisiert Verdi

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat im Tarifkonflikt beim Warenhauskonzern die Gewerkschaft Verdi scharf kritisiert.

Karstadt-Eigentümer Berggruen kritisiert Verdi
Julian Stratenschulte

«Die Verdi-Funktionäre kämpfen gerade bei Karstadt nur um ihre eigene Macht als Gewerkschaft auf Kosten der Belegschaft. Das ist nicht in Ordnung», sagte Berggruen der «Bild»- Zeitung. Bei der schwierigen Karstadt-Sanierung sei erst die Hälfte des Weges bewältigt worden. Verdi macht mit Streiks Druck auf den Essener Konzern, seine rund 20 000 Mitarbeiter weiter an den kommenden Tariferhöhungen im Einzelhandel teilhaben zu lassen. Am Dienstag streikten erneut Hunderte Mitarbeiter von Karstadt in Hamburg.

Die Übernahme von Karstadt im Jahr 2010 sei natürlich erst der Beginn der Rettung, nicht ihre Vollendung gewesen, sagte Berggruen der «Bild» weiter. Er räumte allerdings ein, die Probleme unterschätzt zu haben: «Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender.» Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. «Ich glaube fest an Karstadt. Das Unternehmen wird die Wende hinbekommen!» Er stehe bereit, frisches Geld einzubringen, wenn es helfen würde. Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen selbst, betont Berggruen.

«Eigentlich müsste es Berggruen besser wissen», entgegnete ein Verdi-Sprecher auf die Berggruen-Kritik. Seit seinem Übernahmeangebot sei dieser in einem engen Austausch mit der Gewerkschaft gewesen. Der Sanierungstarifvertrag habe seinen Einstieg erst ermöglicht. Verdi hatte Berggruen bereits mehrfach aufgefordert, mehr zu investieren.

Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt geht von weitere Gesprächen aus. «Dialog ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man eine Lösung findet», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Ziel der Arbeitnehmervertreter sei, dass Karstadt zur Tarifbindung zurückkehre. Dass Karstadt ständig in den Schlagzeilen stehe, verunsichere Mitarbeiter. In der Debatte gehe unter, dass es in den Warenhausern erkennbare Fortschritte gebe.

Die Grünen warfen Berggruen Zynismus vor: «Es ist zynisch von Herrn Berggruen, wenn er jetzt die Gewerkschaft für sein eigenes Fehlverhalten und Missmanagement im Karstadt-Konzern kritisiert», sagte die Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, «Handelsblatt Online». Die einzigen, die bisher für die Rettung des Konzerns bezahlt hätten, seien die Beschäftigen gewesen, indem sie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichteten hätten.

Im Interview der «Bild»-Zeitung verwies Berggruen darauf, dass die Gehälter wie versprochen inzwischen wieder auf das Niveau von vor der Pleite angehoben worden seien. Weitere Erhöhungen seien wegen der Sanierung von Karstadt aber für die nächsten zwei Jahre unmöglich.

Karstadt war im Mai in den regionalen Arbeitgeberverbänden in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Das Management will die bisher geltende Tarifverträge weiter anwenden, kommende Tariferhöhungen in der Branche aber nicht umsetzen. «Wir nehmen niemandem etwas weg», sagte Berggruen dem «Tagesspiegel».

Berggruen hat am Dienstag laut einem Karstadt-Sprecher nicht nur mit der Geschäftsführung Gespräche geführt, sondern auch mit weiteren Mitarbeitern. «Das Arbeitstreffen hat stattgefunden». Zu Details, beispielsweise ob die Konzernzentrale der Ort des Treffens war, gab es keine Angaben. Laut Verdi streikten in Hamburg am Dienstag über 400 Mitarbeiter, nach Unternehmensschätzung waren es 270.