Karstadt kämpft mit Umsatzminus

Der in der Kritik stehende Warenhauskonzern Karstadt glaubt trotz sinkender Umsätze an eine Trendwende. Einem Zeitungsbericht zufolge haben sich allerdings auch hohe Verluste aufgehäuft.

Karstadt kämpft mit Umsatzminus
Caroline Seidel

Der scheidende Konzernchef Andrew Jennings nannte als Grund für sinkende Verkäufe unter anderem die «schlimmste Frühjahrssaison im Modebereich für Einzelhändler in Europa seit vielen Jahren». Außerdem seien verlustbringende Abteilungen wie Multimedia geschlossen worden. Er bezifferte das Minus bis Mitte Juni in einer Mitteilung am Samstag auf 3,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des zurückliegenden Geschäftsjahres (30.9.) Für den Zeitraum seit April zeige die Entwicklung aber wieder nach oben. «In einigen Abteilungen sehen wir bereits sehr positive Wachstumszeichen.»

Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 sind nach einem Bericht der «Bild am Sonntag» bei Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern angefallen. Der Konzernabschluss stand bei der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche auf der Tagesordnung, das Blatt beruft sich auf vertrauliche Unterlagen. Für 2012/13 werde demnach erneut ein Verlust «in niedriger dreistelliger Millionenhöhe» erwartet. Jennings betonte lediglich, das Unternehmen habe einen Bargeldbestand in Höhe von mehr als 210 Millionen Euro. Spekulationen, dass Karstadt das Geld ausgehe, nannte er «unverantwortlich». Jennings hatte angekündigt, seinen Job als Vorstandschef zum Jahresende nach drei Jahren an der Spitze aufzugeben.

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen war in den vergangenen Wochen vorgeworfen worden, er halte sich nicht an Versprechen, selbst in den Karstadt-Konzern zu investieren. Laut einem «Spiegel»-Bericht wehrte er sich auf einer Veranstaltung nahe Zürich gegen die Vorhaltungen: «In Deutschland gibt es nur Kritik, dort wird man bestraft, wenn man etwas versucht.» Er profitiere selbst nicht von den Gewinnen seiner Dachgesellschaft, werde aber die Zahlen auch nicht öffentlich machen.

Im Fokus steht der Warenhauskonzern derzeit auch wegen seiner Ankündigung, vorübergehend keine im Branchentarifvertrag vereinbarten Gehaltserhöhungen mehr mitzumachen. Die künftige Praxis bei Karstadt soll laut «Spiegel» in dieser Woche mit dem Betriebsrat erörtert werden.

Im Mai ging nach einem «Focus»-Bericht der Umsatz der 86 regulären Karstadt-Warenhäuser um sieben Prozent zurück, während die drei Häuser der «Premium-Group» - das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München - um sieben Prozent zulegen konnten. Ein Karstadt-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Es gibt seit langem Spekulationen, Berggruen könnte die Premium-Häuser abspalten, was dieser jedoch stets bestritt.

Der Karstadt-Hauptkonkurrent, die Metro-Tochter Galeria Kaufhof, kündigte unterdessen an, drei Filialen in Augsburg, Düsseldorf und Heilbronn bis 2015 zu schließen. Es fehle bei diesen Warenhäusern die wirtschaftliche Perspektive, teilte das Unternehmen am Samstag in Köln mit. Die Einstellung des Geschäftsbetriebs könne «zeitlich geordnet und für die Mitarbeiter sozialverträglich» erfolgen, weil man warten wolle, bis die bestehenden Mietverträge ausliefen.