Kassen kritisieren «Mondpreise» bei Arzneimitteln

Die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel sind im vergangenen Jahr um knapp zehn Prozent gestiegen. Das teilte die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) am Freitag in Berlin mit.

Kassen kritisieren «Mondpreise» bei Arzneimitteln
Matthias Hiekel Kassen kritisieren «Mondpreise» bei Arzneimitteln

Der stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, kritisierte, die Hersteller verlangten für neue Medikamente im ersten Jahr der Markteinführung «Mondpreise». Stackelberg forderte, dass der nach einem Jahr zwischen Kassen und Herstellern ausgehandelte Erstattungsbetrag künftig rückwirkend ab dem ersten Tag gilt. So komme man zu fairen Preisen auch für Innovationen.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte davor, die Preise für Arzneimittel zu drücken. «Die Refinanzierung der hohen Aufwendungen für Arzneimittelforschung in Deutschland ist nicht mehr gewährleistet, wenn die Preise für neue Medikamente hierzulande unter den europäischen Durchschnitt sinken», sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer der Deutschen Presse-Agentur. «Mittlerweile liegen 82 Prozent der deutschen Preise für neue Arzneimittel unter dem europäischen Mittel, 38 Prozent sind sogar die niedrigsten in Europa.»

Fischer weiter: «Trotz anerkanntem Zusatznutzen erhalten viele Patienten nicht die Behandlung mit neuen Arzneimitteln, die notwendig ist. Versorgungsraten von 10 Prozent und damit Unterversorgungsraten von 90 Prozent sind Realität.»