Katar-WM bleibt Streitthema: Zwanziger fordert Ultimatum

Der Umgang von WM-Gastgeber Katar mit Menschenrechten und der Termin für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bleiben hochexplosive Streitthemen.

Bei der Sitzung des Exekutivkomitees des Weltverbands FIFA am Freitag will der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger per Antrag die Einhaltung der Menschenrechte im Gastgeberland einfordern. «Die Katarer müssen die im Piper-Report geforderte unabhängige Kommission, die regelmäßig die Menschenrechtssituation auf den WM-Baustellen und Fortschritte kontrollieren soll, bis zum Ablauf einer Frist am 10. März 2015 einsetzen», erklärte Zwanziger in der «Sport-Bild». Er zweifle sehr stark den Willen der Katarer an, etwas ändern zu wollen, «und habe den Eindruck, das alles dient nur der Augenwischerei».

Sollte Katar tatsächlich eine Frist durch die FIFA-Exekutive gesetzt bekommen, die Gastgeber sich daran aber nicht halten, geht Zwanziger von Konsequenzen aus. «Dann würde ich erwarten, dass ein Nationalverband den Antrag stellt, dass auf dem FIFA-Kongress Ende Mai in Zürich die 209 Mitgliedsverbände darüber abstimmen, Katar die WM zu entziehen», sagte er. Das könne auch der DFB sein.

Aus Zwanzigers Sicht «ist bis heute offensichtlich kaum etwas geschehen», nachdem Katar selbst den Report durch die Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper in Auftrag gegeben hatte. Darin seien die Missstände klar be- und die Abhilfemaßnahmen vorgeschrieben worden.

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge macht sich andere Sorgen. Die Europäische Club-Vereinigung (ECA), deren Vorsitz der Ex-Nationalspieler innehat, schlug dem Weltverband FIFA die Austragung der WM-Endrunde 2022 vom 5. Mai bis 4. Juni vor, um so der schlimmsten Hitze dort zu entgehen. «Wir müssen am Ende des Tages einen Termin finden, der den Spielern keine Probleme wegen der Hitze bereitet, aber auf der anderen Seite Schaden von den Ligen und Clubs fernhält. Es wird nicht ganz so einfach sein, da einen optimalen Termin zu finden. Das wissen wir», betonte Rummenigge.

Die von der FIFA favorisierte Verlegung der WM in die Wintermonate lehnten das Club-Gremium ECA und der Ligen-Verbund EPFL, dem auch die Deutsche Fußball Liga angehört, unter Verweis auf den zu starken Eingriff in die internationalen Spielkalender ab. Nach Ansicht der ECA und der EPFL sind die klimatischen Bedingungen von Anfang Mai bis zu einem Finale Anfang Juni mit Durchschnittstemperaturen von maximal 35 Grad akzeptabel. Im schlimmsten Fall würden die Mannschaften auf Bedingungen treffen, wie sie auch bei einigen Spielen während der WM 2014 in Brasilien und bei den Turnieren 1986 in Mexiko und 1994 in den USA geherrscht haben.