Katastrophen-Hochwasser in Österreich: «Das Herz zerbrochen»

Die Wassermassen von Donau und Inn haben eine Schneise der Verwüstung durch Österreich gezogen. Und am Dienstag erwarten die Menschen in Niederösterreich und in der Region rund um Wien Höchststände der Flut wie beim «Jahrhunderthochwasser» 2002. In den Gemeinden an der Donau herrschte Katastrophenalarm. Auch das Militär war im Einsatz.

Katastrophen-Hochwasser in Österreich: «Das Herz zerbrochen»
Dasch

«Ich habe heute um fünf Uhr früh Dinge gesehen, die mir das Herz zerbrochen haben. 70-jährige Männer hatten Tränen in den Augen, weil sie ihr ganzes Hab und Gut verloren haben», sagte der Bürgermeister von Schärding an der bayerischen Grenze, Franz Angerer.

Dort überflutete der Inn mit einem höheren Pegelstand als 2002 in der Nacht die Schutzanlagen. 500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, die bayerischen Partnerstadt Grafenau schickte spontan Unterstützung: «Die sind einfach in der früh dagestanden und haben gesagt: "Wir wollen helfen." Das gibt wirklich Mut.»

Während sich die Lage in Salzburg, Tirol und Vorarlberg trotz Verwüstungen langsam entspannte, sollte im Osten des Landes das Schlimmste noch kommen. In Niederösterreich und an den Donau-Auen rund um Wien bangten die Menschen, ob der neue Hochwasserschutz den Fluten mit einem prognostizierten Pegelstand von elf Metern standhalten wird.

Dieser Schutz mit mobilen Metallwänden war nach den Erfahrungen der sogenannten Jahrhundertflut vor elf Jahren entwickelt worden. Die Pegelstände von damals galten als Richtwerte, um die Wassermassen zu bändigen. «Wenn sie diese erreichen, müssten sie, so wie wir sie berechnet haben, standhalten», sagte der Landesfeuerwehrkommandant von Niederösterreich, Dietmar Fahrafellner. Und auch bei Wasserständen darüber gebe es noch eine kleine Reserve.

Dennoch verstärkten Hunderte Menschen am Montag die Anlagen mit Sandsäcken. In Klosterneuburg und Kritzendorf bei Wien räumten Einsatzkräfte rund 1000 Häuser. In diesen Gebieten sollte der Strom abgeschaltet werden.

Anders als in Tschechien wird die österreichische Hauptstadt wohl verschont bleiben: In Wien entlastet das in den 1970er Jahren ausgehobene Großprojekt «Neue Donau» die Stadt von den Fluten. Der künstlich geschaffene Donau-Seitenarm leitet die Wassermassen um und ist nach Aussage der Behörden groß genug.