Tote bei schweren Nachbeben in Nepal und Indien

Bei dem schweren Nachbeben im Himalaya sind mindestens 23 Menschen gestorben. 17 Tote seien bislang in Nepal geborgen worden, sagte Polizeisprecher Kamal Singh Bam in Kathmandu. Mehr als 600 Menschen seien verletzt worden.

Tote bei schweren Nachbeben in Nepal und Indien
Narendra Shrestha Tote bei schweren Nachbeben in Nepal und Indien

Im Nachbarland Indien kamen nach offiziellen Angaben drei Mädchen bei Hauseinstürzen ums Leben. In China starb eine Frau, als sie von herabstürzenden Steinen erschlagen wurde.

Weitere Tote werden befürchtet. Polizeikommissar S.P. Magar sagte, am Neuen Markt in Nepals Hauptstadt Kathmandu sei ein fünfstöckiges Haus in sich zusammengestürzt. «Wir fürchten, dass es Tote gibt, denn unter dem Gebäude stand ein Taxi. Wir versuchen, es zu finden. Bislang hatten wir kein Glück.»

Zweieinhalb Wochen nach dem Erdbeben mit Tausenden Toten hatte das Nachbeben in Nepal Panik ausgelöst. Überall in Kathmandu rannten die Menschen auf die Straßen.

Im Abstand von wenigen Minuten folgten weitere, schwächere Beben. Eines sei stärker als 6 gewesen und drei stärker als 5, sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium Nepals. «Wir sind alle aus unseren Büros gerannt. Manche Menschen haben geweint. Das Nachbargebäude hat frische Risse», sagte Ely Shrestha in Kathmandu.

Das Epizentrum des großen Nachbebens lag nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam nur wenige Dutzend Kilometer östlich von Kathmandu, nahe der Grenze zu China. Vor zweieinhalb Wochen war das stärkste Zittern westlich von Kathmandu zu spüren gewesen. Nepal liegt auf der Stelle, wo sich die Indische in die Eurasische Platte schiebt. Deswegen kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben.

Nach Angaben der Behörden waren allein in Nepal mindestens 8100 Menschen durch einstürzende Häuser, Lawinen und Erdrutsche nach dem Beben am 25. April ums Leben gekommen. Mindestens 100 Menschen starben im benachbarten China und Indien. Auch das gewaltige Nachbeben war bis nach Kolkata und in die indische Hauptstadt Neu Delhi zu spüren. Dort wurde die U-Bahn vorübergehend angehalten.

Die Telefonverbindungen in Kathmandu funktionierten zunächst nicht, weil sie völlig überlastet waren. Der Verkehr kam zum Erliegen. Die Menschen begannen erneut damit, Zelte auf öffentlichen Plätzen und in ihren Gärten aufzubauen - dabei hatten sie diese oft erst vor wenigen Tagen abgebaut und waren in ihre Häuser zurückgekehrt. «Es sieht so aus, als solle Nepal diesmal komplett zerstört werden», sagte ein Bewohner.

Bei dem Beben am 25. April waren fast eine halbe Million Häuser in Nepal zerstört oder schwer beschädigt worden. Millionen Nepalesen leben derzeit in Zelten, vor allem in den Bergen, wo die einfachen Lehm- und Steinhäuser den Erschütterungen nicht standhielten. Nach UN-Angaben ist etwa ein Viertel der Bevölkerung des armen südasiatischen Landes betroffen. In den am stärksten betroffenen Gegenden seien 95 Prozent der Häuser zerstört.