Kaymer mit guter Schlussrunde - Langers «Goodbye»

Der zweimalige Majorsieger Martin Kaymer hat zum Abschluss der British Open im schottischen St. Andrews sein bestes Golf gezeigt - mit der Spitze hatte er aber nichts mehr zu tun.

Mit einer 68er Runde und insgesamt 279 Schlägen lag der 30-Jährige aus Mettmann auf dem zwischenzeitlichen 15. Platz. «Schade, dass mir zum Abschluss nicht das fünfte Birdie gelungen ist», sagte der ehemalige Weltranglistenerste nach dem Bogey-freien Durchgang. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte wurde das einzige europäische Major wegen des schlechten Wetters um einen Tag verlängert.

Die Führenden um den irischen Amateur Paul Dunne waren im strömenden Regen erst gestartet. Der 21-jährige Ire begann unglücklich mit zwei Bogeys. Die Spitze übernahm der Amerikaner Zach Johnson mit 15 unter Platzstandard auf dem Par-72-Kurs - sechs Schläge weniger als Kaymer. «Ich wollte das schönste Turnier der Welt gewinnen, aber dafür waren meine kurzen Schläge in der dritten Runde zu schlecht», befand der durchgefrorene Rheinländer. Für ihn geht es direkt ins Ryder-Cup-Resort Gleneagles, wo er am Abend noch ein paar Löcher bei einem Sponsorentermin spielen muss.

Bernhard Langer aus Anhausen verabschiedete sich mit einer respektablen letzten 72er Runde aus dem Golf-Mekka. Mit insgesamt 289 Schlägen lag der mit 57 Jahren zweitälteste Spieler im verbliebenen Feld am Ende des Leaderboards auf Platz 78. Auf der legendären Swilcan Brücke an der 18. Bahn hielt er kurz inne und winkte den Zuschauern zu. «Ich habe viele Erinnerungen an diesen Ort, vielleicht ist es das letzte Mal gewesen», sagte Langer.

Zu gern gingen die Gedanken an die Anfänge zurück, als er 1978 als 20 Jahre alter Jungprofi bei seiner ersten Open Championship in einem alten Opel übernachtete und kein Geld für einen Caddie hatte. Die Story erzählen sich die Älteren unter den golfverrückten britischen Fans noch heute. «Die Geschichte kennen nicht so viele», meinte Langer und schmunzelte. Das Preisgeld damals: 175 Pfund.

Inzwischen hat der erste deutsche Golfstar an die 100 Profi-Turniere auf allen fünf Kontinenten gewonnen und allein an Preisgeldern auf der Europa- und der US-PGA-Tour mehr als 20 Millionen Euro verdient. Sein Lebensmittelpunkt ist in Boca Raton/Florida. Wie viel ihm das Prestige-Turnier bedeutet, zeigte schon die Begleitung durch seine amerikanische Frau und drei seiner Kinder nach Schottland.

Die begehrte «Claret Jug» (Silberkanne) der Open Championship hielt der zweimalige Masterssieger nie in seinen Händen. Das Erstaunliche aber: Während Topstars wie die Amerikaner Bubba Watson oder Tiger Woods am wetterabhängigen schottischen Golf verzweifelten, kann der Stratege aus Anhausen immer noch mithalten. Seit Jahrzehnten quält ihn der Rücken - aber kaum jemand tut mehr für die Fitness und redet so wenig über die vielen Wehwehchen. Nicht ganz glücklich war er über die Verlängerung bis zum Wochenanfang.

Schon am 23. Juli schlägt Langer in Sunningdale bei London bei der British Senior Open ab, wo er seinen Titel verteidigen will. Im Vorjahr hatte er mit 13 Schlägen Vorsprung die Ü-50-Liga dominiert und sich für die «richtige» Open qualifiziert. Die nächste Auflage der Open Championship im geschichtsträchtigen St. Andrews ist erst für 2021 zum 150. Jubiläum vorgesehen - da wäre der Routinier 63. Nicht einmal er selbst glaubt daran, sich dann noch einmal unter das Feld zu mischen.