Kaymers Masters-Freude trotz mieser Generalprobe

Wie ein Teenager springt Martin Kaymer über das Fairway des noblen Augusta National Golf Club. Der Frust über die verpatzte Generalprobe in Texas scheint vor seinem Start beim ersten Major des Jahres auf dem selbst geposteten Twitter-Foto wie weggewischt.

Kaymers Masters-Freude trotz mieser Generalprobe
Tannen Maury Kaymers Masters-Freude trotz mieser Generalprobe

Zu groß ist die Freude und Aufregung des des US-Open-Champions aus Mettmann vor seinem achten Masters. «Dieses Turnier möchte man in seiner Karriere einmal gewinnen», sagte der zweimalige Major-Sieger vor seinem ersten Abschlag bei der 79. Auflage des Turniers im US-Bundesstaat Georgia am 9. April um 10.52 Uhr Ortszeit (16.52 Uhr MESZ).

Der kleine Vorteil der zweimal hintereinander verpassten Cuts (Wochenend-Teilnahmen) war die frühe Anreise am Wochenende. Eine Proberunde mit dem von ihm als Mentor und Freund geschätzten Bernhard Langer, eine Zusammenkunft mit enthusiastischen Nachwuchsgolfern im Kindesalter - aber kein Dinner im exklusiven Kreis der Sieger standen auf seinem Plan. «Die ersten drei, vier Jahre, als ich den Cut verpasst habe, war ich nicht in der Lage, den Golfplatz so zu spielen, wie er gespielt werden sollte. Dann habe ich ein paar Dinge angepasst und die letzten zwei Jahre wirklich gut gespielt, jedoch auf den Grüns meine Probleme gehabt», erklärte Kaymer. Wenn er diese beiden Dinge zusammenführen könne, «wäre ich sicher gut dabei».

Die ersten vier Male verpasste er in Augusta den Halbzeit-Cut, weil ihm die schwer zu spielenden Flugkurven und die schnellen Grüns auf dem Par-72-Kurs nicht lagen. Er übte und feilte jahrelang an der leichten Linkskurve, dem Draw. Im vergangenen Jahr belegte der inzwischen 30-Jährige immerhin den 31. Platz.

Und trotzdem war «Oldie» Langer mit Platz acht wieder einmal um Längen besser. Wobei der 27 Jahre ältere, zweimalige Masters-Gewinner, der ein lebenslanges Startrecht genießt, eigentlich genau dieses Problem hat: mit den Längen der ersten und zweiten Schläge der jüngeren Generation kann der 57-Jährige nicht mithalten.

Es könne ziemlich frustrierend sein kann, mit ihm zu spielen, bekannte Kaymer, «weil man glaubt, den Ball viel weiter schlagen zu müssen. Zudem fühlt man sich, als ob man diverse Dinge besser machen müsste, weil man viel jünger ist. Das ist aber nicht so. Sein Spiel ist schon sehr beeindruckend.» Der erste Sieg des Routiniers aus Anhausen liegt 30 Jahre zurück - ein erneuter Coup scheint allerdings fast unmöglich.

Kaymer gehört nach den zuletzt schlechten Resultaten eher nicht zum Favoritenkreis an der Magnolia Lane. Titelverteidiger Bubba Watson, Youngster Jordan Spieth (beide USA) und der Weltbeste Rory McIlroy (Nordirland), der in Augusta den letzten ihm noch fehlenden der vier Major-Titel gewinnen will, werden eher genannt. «Das ist auch ein Ziel in meiner Karriere, aber es ist ein langer Weg. Rory ist näher dran als ich», sagte Kaymer: «Ich wünsche ihm das Beste. Wenn es diese Woche nicht klappt, dann ein anderes Mal.»

Sie alle können in dieser Woche im Schatten des großen Tiger Woods ihre Runden ziehen. Seine Rückkehr auf die PGA-Tour elektrisierte schon beim Training die Fans: 2000 folgten den inzwischen auf Platz 111 in der Weltranglistenerste zurückgefallenen Sportstar aus Kalifornien. Viele rannten, um einen besseren Blick auf die inzwischen deutlich verbesserten Chips zu bekommen - obwohl Rennen auf dem Gelände eigentlich verboten ist. «Ich haben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang trainiert, mein Spiel ist soweit», verriet der 39 Jahre alte viermalige Masters-Champion mit einem strahlenden Lächeln vor der versammelten Weltpresse. Woods hatte sogar seine beiden Kinder Sam und Charlie mitgebracht.

«Ich hoffe, er ist glücklich und wird gut spielen», meinte Kaymer, «diese ganzen Spekulationen würden mich stören.» Es müsse mental sehr anstrengend sein. «Und manche Dinge fand ich nicht sehr fair. Lasst ihn einfach Golf spielen», lautete der Appell des besten deutschen Golfers, den die Amerikaner wegen seines Sportsgeistes so schätzen.