Kein Münchner Mitleid mit Krisen-BVB

Der zerknirschte Jürgen Klopp fand den neuen Platz in der Abstiegszone einfach «beschissen». Die lobenden Worte von Pep Guardiola und Matchwinner Arjen Robben halfen dem gezeichneten BVB-Coach nach dem schlechtesten Start in der 48-jährigen Dortmunder Bundesliga-Geschichte nicht.

Kein Münchner Mitleid mit Krisen-BVB
Lukas Barth Kein Münchner Mitleid mit Krisen-BVB

«Jede Niederlage tut weh und in der Häufigkeit, in der wir in der Bundesliga verlieren, potenziert sich das schon», haderte Klopp nach dem 1:2 (1:0) im Topspiel beim deutschen Rekordmeister Bayern München. Es war die fünfte Ligapleite in Folge.

Als die Bayern-Stars ihren verdienten Sieg feierten, mussten Klopp und Co. auch noch die branchenüblichen Schmähgesänge ertragen. «Zweite Liga, Dortmund ist dabei», schallte es schadenfroh durch die Arena. Über Abstiegsgefahr sollten nach Meinung von Sportdirektor Michael Zorc andere «philosophieren». Aber sorglos gehen die Dortmunder, die am Dienstag gegen Galatasaray in der Champions League in die K.o.-Runde einziehen können, nicht mit der prekären Lage in der nationalen Beletage um. «In der Liga ist es eine sehr brenzlige Situation», räumte Sebastian Kehl ein.

«Wir haben viele Baustellen und viele Spiele selbstverschuldet verloren», bekannte Klopp. «Es ist eine verrückte Situation, aber es ist unsere - und damit müssen wir umgehen.» Nachfragen nach Reizfigur Marco Reus, Torschütze zum Führungstreffer (31.) und öffentliches Spekulationsobjekt eines Wechsel zu den Bayern, ließen Klopps Laune weiter sinken. Der BVB-Coach stapfte grimmig von dannen, Guardiola und Münchens Sportvorstand Matthias Sammer lagen sich dagegen innig in den Armen. Auch wenn allerorten Respekt anklang, der nächste Wirkungstreffer beim Rivalen a.D. freute den Meister natürlich besonders.

«Es ist ein schönes Gefühl, Dortmund geschlagen zu haben - auch wenn sie tabellarisch nicht da stehen, wo sie hingehören», gestand Thomas Müller. Ungeschlagen und mit 24 Punkten auf dem Konto arbeiten die Münchner am nächsten Alleingang durch die Fußball-Bundesliga. Die drohende Langeweile ist den Bayern, die sich am Mittwoch in der Königsklasse für das Achtelfinale qualifizieren können, reichlich egal.

«Die Liga ist für die Spannung verantwortlich, nicht wir», erklärte Sammer. Der Attraktivität der Bundesliga schadet die bajuwarische Überlegenheit nicht. Und ansehnlich war der Bayern-Auftritt in einem überaus unterhaltsamen Klassiker allemal. Der Lohn für den vor allem in Halbzeit zwei starken Auftritt war der verdiente Erfolg dank Toren des ehemaligen Dortmunders Robert Lewandowski (72. Minute) und von BVB-Schreck Arjen Robben (85./Foulelfmeter).

Wie bereits in diversen Vergleichen war Robben wieder einmal der Matchwinner gegen Klopp & Co. «Mitleid muss man nicht haben, Dortmund ist eine Supermannschaft, die werden wieder hochkommen», prophezeite Robben und zeigte sich trotz des Erfolgs kritisch. «Wir spielen teilweise richtig guten Fußball, aber es ist immer noch Luft nach oben. Wir dürfen nicht denken, wir marschieren locker durch, weil so geht es nicht.»

Darauf zielte auch Guardiola ab, der mit der Heim-Vorstellung vor der Pause gegen die «beste Mannschaft der Welt bei Kontersituationen» gar nicht einverstanden war. «Es war eine große Lektion für uns, was wir machen wollen bis zum Ende der Saison: Spielen wir wie in der ersten Halbzeit, wie Zuschauer, oder spielen wir wie in der zweiten Halbzeit mit dieser Aggressivität?», erklärte der spanische Starcoach.

Aufbauende Worte hatte nicht nur Guardiola für den ratlosen Gegner übrig. «Das ist für den BVB ein schwieriger Moment, aber ich weiß, dass er wieder nach oben kommt», prognostizierte der langjährige Dortmunder Angreifer Lewandowski nach seinem ersten Treffer gegen den ehemaligen Club. «Sie werden in der Bundesliga das Quäntchen Glück wieder haben und ihre Punkte holen», versicherte Mario Götze, der 2013 - schon ein Jahr vor Lewandowski - nach München gewechselt war. Macht jetzt Reus das Transfertriple perfekt?

Der Nationalspieler selbst hob bei Frage-Versuchen ablehnend die Hand, auch die Verantwortlichen mochten nicht wirklich über einen vorzeitigen Abgang des bis 2017 an Dortmund gebundenen Instinktfußballers sprechen. In München, von wo aus die Spekulationen wiederholt befeuert wurden, hielt man sich öffentlich zurück. «Marco Reus ist ein Spieler von Borussia Dortmund. Welche Gedankengänge wir haben, besprechen wir intern», erklärte Sammer bei Sky.