Keine leichte Lesekost beim Deutschen Buchpreis

Deutschlands Buchhändler schauen am Montagabend wohl mit leichtem Bangen nach Frankfurt. Denn zu den Favoriten beim Deutschen Buchpreis gehören zwei Romane, die nicht unbedingt den großen Verkaufserfolg garantieren.

Keine leichte Lesekost beim Deutschen Buchpreis
Peter Endig Keine leichte Lesekost beim Deutschen Buchpreis

«Terézia Mora und Clemens Meyer werden am meisten gehandelt in der Branche», sagt Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg. Im Finale um den besten deutschen Roman des Jahres, der an diesem Montag verkündet wird, sind am Vorabend der Frankfurter Buchmesse sechs Titel nominiert.

Mora und Meyer sind in ihren Themen zwar höchst unterschiedlich. Vom Volumen und Anspruch her sind beide Romane aber nicht leicht konsumierbar. Die aus Ungarn stammende Mora, schon 2009 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises vertreten, schickt in «Das Ungeheuer» ihren Romanhelden durch halb Südosteuropa. Es ist über 700 Seiten hinweg ein zweigeteilter Roman - Erzählungen des Protagonisten stehen Tagebucheinträgen seiner Frau gegenüber, die sich das Leben genommen hat.

Meyer hingegen entwickelt «Im Stein» ein gewaltiges Panorama des Rotlicht-Milieus in Deutschlands Osten. In dem dokumentarisch angelegten Roman dringt der frühere Möbelpacker auf fast 600 Seiten mit großer Wucht und wechselnden Perspektiven in eine Parallelwelt ein.

Unter den anderen vier Titeln auf der Shortlist werden - beispielsweise von Kritikerin Sigrid Löffler - auch Marion Poschmanns Roman («Die Sonnenposition») noch gute Chancen eingeräumt. Die vor allem als Lyrikerin bekanntgewordene Autorin hat ihr Buch in einem halb verfallenen Barockschloss angesiedelt, das eine psychiatrische Anstalt beherbergt.

Mirko Bonnés vielschichtiger Roman «Nie mehr Nacht» und Monika Zeiners beschwingter Erstling «Die Ordnung der Sterne über Como» werden als Außenseiter eingestuft. Dies gilt auch für Reinhard Jirgls Zukunftsroman «Nicht von euch auf Erden». Der Ingenieur und Sprachkünstler hat als einziger der Nominierten den Georg-Büchner-Preis erhalten - die literarisch wertvollste Auszeichnung in Deutschland. Doch seine Bücher gelten auch unter Literaturkritikern als echte Brocken.

Jirgl dürfte daher kaum konsensfähig sein. Auch wenn die siebenköpfige Jury dieses Jahr keine lauen Kompromisse machen will, wie ihr Vorsitzender Helmut Böttiger verkündet hat. «Zur Not muss es eine Kampfabstimmung geben», sagt Rainer Moritz. Er saß vor fünf Jahren selbst in der Jury, die es 2008 aber leicht hatte. Das Votum für Uwe Tellkamps «Turm» fiel einstimmig aus.

Das Publikum zeigte sich damals ebenfalls begeistert. Tellkamp stand monatelang auf der Bestellerliste. Hervorragend liefen in den vergangenen Jahren auch Julia Franck («Die Mittagsfrau») und Eugen Ruges DDR-Familiensaga «In Zeiten des abnehmenden Lichts». Generell haben sich alle Siegertitel gut verkauft.

- Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013, 360 S.,
Euro 19,95, ISBN 978-3-895614064)

- Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013,
512 S., Euro 27,90 ISBN 978-3-446241275)

- Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013, 560 S., Euro
22,99, ISBN 978-3-100486028)

- Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013, 688 S.,
Euro 22,99, ISBN 978-3630873657)

- Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013, 337
S., Euro 19,95, ISBN 978-3-518424018)

- Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März
2013, 607 S., Euro 19,99, ISBN 978-3-351050009)