Kerber mit Australien-Gefühl in Wimbledon - Beck draußen

Angelique Kerber fühlt sich im Australien-Modus. Nach dem tiefen Fall in Paris scheint der deutsche Tennis-Liebling in Wimbledon die nötige Ruhe für imposante Auftritte wiedergefunden zu haben.

Kerber mit Australien-Gefühl in Wimbledon - Beck draußen
Gerry Penny Kerber mit Australien-Gefühl in Wimbledon - Beck draußen

«Ich weiß, wie ich so ein Turnier gewinne», sagte die 28-Jährige nach ihrem Sprung in die zweite Woche forsch. «Ich merkt, dass ich wieder weiß, was mich stark gemacht hat - wie in Australien.» Nach dem erwartbaren Aus von Annika Beck gegen Titelverteidigerin Serena Williams verbleibt Kerber als einzige deutsche Tennisspielerin im öffentlichkeitswirksamsten Turnier.

Am Montag beginnt mit ihrem Achtelfinal-Auftritt im All England Club die entscheidende Phase, um weitere Erfolgsgeschichten zu schreiben. Die deutsche Nummer eins hatte sich vorgenommen, in diesem Jahr bei den vier Major-Turnieren besser zu spielen. In Melbourne klappte das hervorragend, sie ging als erste deutsche Grand-Slam-Siegerin seit Steffi Graf in die Annalen ein. In Paris ging es vor knapp sechs Wochen mit dem Erstrunden-Aus hingegen total daneben.

Nach ihrem hart erkämpften Drittrunden-Sieg gegen Carina Witthöft konnte Kerber den Sonntag zum Vorbereiten nutzen. «Ich weiß, was noch vor mir liegt, um so ein großes Ding zu gewinnen», sagte sie. «Ich habe das Gefühl, wieder in dem Rhythmus dafür zu sein.»

Ihre Fed-Cup-Kollegin Beck betrat an einem geschichtsträchtigen Sonntag dagegen zum ersten Mal für ein Match den mit rund 15 000 Zuschauern voll besetzten Centre Court. Erst zum vierten Mal in der Wimbledon-Historie wurde am mittleren Sonntag Tennis gespielt, zu viel hatte es in den vergangenen Tagen geregnet. Gegen Serena Williams und deren scheinbar müheloses Tempo blieb die im Vergleich schmächtig erscheinende Bonnerin beim klaren 3:6, 0:6 aber chancenlos. «Es war eine Lehrstunde, die mir gezeigt hat, wo das Limit im Damen-Tennis ist», sagte Beck.

Am Tag von ihrem vielbeachteten Auftritt war es 85 Jahre her, dass sich Cilly Aussem zum ersten deutschen Champion auf dem «Heiligen Rasen» kürte. Einmal in Wimbledon zu triumphieren, ist auch Kerbers Ziel. Mit ihrer nächsten Gegnerin verbindet die Kielerin positive Erinnerungen, aber auch einen Schreckmoment. Gegen die kleine Japanerin Misaki Doi, die am Samstag Anna-Lena Friedsam bezwang, leitete sie vor gut fünf Monaten ihren wundersamen Weg zum Australian-Open-Coup ein. Sie musste aber einen Matchball abwehren.

Auf den grünen Rasenplätzen scheint der Einzug in das Finale für Kerber möglich. In ihrer Turnier-Hälfte verschwand die spanische Vorjahres-Finalistin und French-Open-Gewinnerin Garbiñe Muguruza schon in Runde zwei. Kerber ist als Nummer vier die Spielerin mit der besten Weltranglisten-Position in diesem Teil des Tableaus. Viertelfinal-Gegnerin wären die Rumänin Simona Halep oder Madison Keys aus den USA, die Nummern fünf und neun der Setzliste. «Die Angie hat vielleicht den Vorteil, dass sie schon einen Grand-Slam-Sieg in der Tasche hat», sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Sabine Lisicki erreichte in Wimbledon zwischen 2009 und 2013 bei jeder Teilnahme immer mindestens das Viertelfinale. Diesmal war für die um ihre Form ringende Berlinerin wie im Vorjahr in der dritten Runde Schluss. «Mir hat die Lockerheit gefehlt», bilanzierte sie nach ihrer Niederlage gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa. «Es war trotzdem ein gutes Turnier für mich. Ich habe mir gezeigt, dass ich noch gut Tennis spielen kann.» Die 26-Jährige sprach davon, dass sie sich auf dem richtigen Weg fühle, konnte sich aber selbst bei ihrem Lieblingsturnier nicht komplett aus ihrem Formtief befreien. «Da fehlt noch die Konstanz», sagte Rittner.