Kerry lobt Eingreifen der Armee in Ägypten

Die US-Regierung hat die Entmachtung des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär überraschend deutlich gutgeheißen. Die Muslimbrüder sind schockiert und protestieren.

Kerry lobt Eingreifen der Armee in Ägypten
Khaled Elfiqi Kerry lobt Eingreifen der Armee in Ägypten

Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte in einem Interview des pakistanischen Fernsehsenders GEO TV, die Armee sei von Millionen Menschen, die ein Abgleiten Ägyptens ins Chaos befürchtet hätten, zum Eingreifen aufgefordert worden. «Ihr Ziel war es nicht - soweit wir das bisher beurteilen können - die Macht zu übernehmen.» Vielmehr habe die Armee «die Demokratie wiederhergestellt». Zugleich verurteilte Kerry die Gewalt gegen Muslimbrüder.

Die Islamisten rangen nach diesen Worten aus der US-Regierung um Fassung. Tausende Anhänger Mursis versammelten sich am Freitag für neue Massenproteste in verschiedenen Moscheen. An den Zugängen zum zentralen Protestlager an der Kairoer Rabea-al-Adawija-Moschee kontrollierten Aktivisten Ausweise und Taschen. Das Protestlager soll laut Regierungsbeschluss demnächst geräumt werden. Mohammed Badia, das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, warnte, für die Protestierenden sei «die Freiheit wertvoller als ihr Leben».

«Wir erwarten nichts von den USA. Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist», erklärte der Sprecher der Islamistenbewegung, Gehad al-Haddad, mit Blick auf den Sturz Mursis. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte zu Kerrys Äußerungen: «Die Amerikaner versuchen wie wir, die Lage zu beruhigen.» Vor der Abreise aus Kairo traf Westerwelle noch den gemäßigten Islamisten Abdel Moneim Abul Futuh. Auch der FDP-Politiker sprach in Kairo nicht von einem «Militärputsch».

Kerry betonte, Washington sei allerdings sehr besorgt über den Tod von Dutzenden Mursi-Anhängern bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Dies sei «völlig inakzeptabel». Ende Juli waren bei den schwersten Auseinandersetzungen seit dem Sturz Mursis mindestens 80 Menschen getötet worden. Nach Augenzeugenberichten schossen die Sicherheitskräfte zunächst mit Tränengasgranaten, dann mit scharfer Munition auf die Islamisten. Ob unter den Demonstranten auch Bewaffnete waren, war nicht klar. Kerry hatte damals das Recht auf friedliche Versammlung und Meinungsfreiheit betont.

Der Sprecher der Muslimbrüder forderte die US-Bevölkerung auf, sich gegen eine Regierung zu erheben, «die ihre Werte verrät, indem sie Tyrannei und Diktatur unterstützt». Auch die türkische Regierung kritisierte die Äußerungen Kerrys. Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärte Vizeregierungschef Bekir Bozdag: «Hat das Militär die Demokratie auch in den Staaten der EU oder der USA wiederhergestellt? Putsche bringen keine Demokratie, sie ruinieren und zerstören den Weg der Demokratie. So wie in Ägypten.»

Die Anhänger Mursis wollten am Nachmittag mehrere Demonstrationszüge bilden. Ein Protestmarsch sollte auf einer der meistbefahren Straßen Kairos enden. Die Polizei sicherte staatliche Gebäude in der Hauptstadt mit Metallsperren ab, darunter auch das Verfassungsgericht. Die Islamisten wollen die Wiedereinsetzung von Präsident Mursi erreichen, der am 3. Juli abgesetzt worden war. Außerdem demonstrieren sie gegen die geplante Räumung von zwei Protestlagern in Kairo.

Bei Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Islamisten und Anwohnern wurden in der Provinz Al-Scharkija 14 Menschen verletzt. Das Nachrichtenportal «youm7» meldete, die Gewalt in einem Dorf des Bezirkes Abu Hammad habe begonnen, als Mursi-Anhänger lauthals für die Teilnahme an den Protestaktionen warben.

Ein Sprengsatz detonierte in der Nacht zum Freitag neben einem Hotel im Norden der Sinai-Halbinsel. In dem Gebäude sind Polizeioffiziere einquartiert, die gegen Dschihadisten und Kriminelle in dem Gebiet vorgehen sollen. Niemand wurde verletzt.