Kieler Klinikchef: Es könnten weitere Keimträger sterben

Die Leitung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) schließt nicht aus, dass noch weitere Träger eines multiresistenten Keims in dem Kieler Krankenhaus sterben.

Allerdings müsste dies nicht eine Folge des Bakteriums sein, sondern der ohnehin sehr schweren Erkrankungen der Patienten, sagte Klinikchef Jens Scholz am Freitag im NDR Fernsehen. Seit Dezember starben fünf Patienten in der Klinik, bei denen der gegen fast alle Antibiotika resistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen wurde.

Kliniksprecher Oliver Grieve konnte am Samstag nicht sagen, ob inzwischen weitere Patienten gestorben sind oder die Zahl der Keimträger gestiegen ist. Aktuell ist bei 14 Patienten der Keim nachgewiesen worden. Nicht alle von ihnen sind aber daran erkrankt.

Der Jüngste soll ein 14-Jähriger sein, berichtete das NDR Fernsehen am Freitag unter Berufung auf die Klinik. Grieve machte am Samstag keine Angaben zur Altersspanne der Patienten, die den Keim tragen. Die gestorbenen Patienten seien zwischen 25 und 80 Jahre alt gewesen, hatte er am Freitag gesagt.

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund kritisierte UKSH-Chef Scholz. Dessen Differenzierung der der Todesursache durch die ursprünglichen Erkrankung des Patienten, durch die gefährliche Bakterie oder durch eine Zusammenwirkung von beiden, sei ein Versuch, die Folgen der erstmaligen Ausbreitung des Keims im UKSH zu verharmlosen. «Ich finde diese Relativierung entsetzlich», sagte er am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Damit solle Verantwortung weggeschoben werden.

Nach Auffassung der Gesundheitsbehörde der Stadt Kiel hat das UKSH seit der Ausbreitung der Bakterien korrekt gehandelt. Dies gelte sowohl für das vorgeschriebene rechtzeitige Informieren des Gesundheitsamtes, sobald Keime gehäuft auftreten, als auch für die getroffenen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen, sagte die zuständige Sprecherin der Stadt, Annette Wiese-Krukowska, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Das UKSH habe das Gesundheitsamt Heiligabend informiert. «Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt vier Patienten betroffen. Damit lag eine frühzeitige und zeitnahe Information des zuständigen Gesundheitsamtes vor.» Die Meldungskette sei eingehalten worden, hatte bereits Staatssekretär Rolf Fischer am Freitag betont. Das Gesundheitsministerium erfuhr erst am Freitag von den Vorfällen. «Das Ministerium ist nicht Teil der Meldekette», erläuterte Fischer.

Die Gesamtzahl der Patienten, bei denen am UKSH seit Dezember die gefährliche Bakterie nachgewiesen wurde, ist weiterhin unklar. Klinikchef Scholz hatte am Freitag gesagt, es seien insgesamt mehr als 19, also mehr als die 14 aktuellen Fälle plus die fünf gestorbenen Patienten.

Bärbel Christiansen, verantwortliche Hygiene-Ärztin am UKSH, hatte versichert, die Hygienemaßnahmen seien vorschriftsmäßig erfolgt und es sei auch genügend Personal eingesetzt worden. Mit einem umfassenden Screening werde nach weiteren möglichen Keimträgern gesucht. Ergebnisse dieser Screenings lagen Grieve am Samstag noch nicht vor.

Die Acinetobacter-Keime kommen im Wasser und in der Erde vor, für den Menschen sind sie normalerweise nicht gefährlich. Bei immungeschwächten Menschen können sie aber Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen verursachen. Handelt es sich um multiresistente Formen, ist die Behandlung erheblich erschwert, weil nur noch wenige Mittel überhaupt gegen die Infektion helfen.

Die internistische Intensivstation der Kieler Klinik ist seit Freitag für Neuaufnahmen «bis auf weiteres» geschlossen. Eine von insgesamt drei Einheiten der operativen Intensivstation wurde isoliert, um die dort liegenden Infizierten gesund zu pflegen. Die Stationen sollen für Neuaufnahmen geschlossen bleiben, bis die dortigen Patienten entlassen werden können.