Kind stellt neben Trainer Korkut auch Dufner infrage

Martin Kind zögert und zaudert. Auch am Tag nach der erneuten Niederlage konnte sich der Clubchef von Hannover 96 noch nicht zu einer Entscheidung durchringen.

So bleibt Tayfun Korkut beim abgestürzten Fußball-Bundesligisten nach dem zehnten Spiel ohne Sieg ein Trainer auf Abruf. «Wir haben das noch nicht analysiert, sondern müssen das erst verarbeiten», sagte Kind in Burgwedel: «Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen, Herr Korkut, Herr Dufner und ich.» Das Gespräch mit Coach und Sportdirektor sei «noch nicht terminiert», soll aber spätestens bis zum 24. März erfolgen.

Kind fällt eine Entscheidung schwer, weil er neben dem Coach auch längst den Manager infrage stellt. Auf Dirk Dufner angesprochen erklärte der Clubchef: «Wir drei werden uns zusammensetzen, das betrifft die Gesamtsituation. Da geht es dann auch um die Bewertung der Transfers». Die geplante Analyse bedeute, «mehr Fragen zu stellen, als nur nach Punkten».

Der erfolgreiche Unternehmer sorgt sich um den Club, den er längst etabliert und noch vor wenigen Wochen als Kandidat für den Europapokal sah. Doch Hannover holte aus zehn Spielen nur drei Zähler, torkelt als schlechteste Mannschaft der Rückrunde den Abstiegsrängen entgegen. Weil Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt am Wochenende punkteten, sind es jetzt nur noch zwei Punkte bis zum Relegationsrang. «Wir sind jetzt im Abstiegskampf vollumfänglich angekommen und befinden uns in einer Hochrisiko-Situation», sagte Kind in der ihm eigenen Managersprache.

Es ist nicht mehr viel, was für Korkut spricht. Das weiß auch der Trainer selbst. «Ich kann die Ergebnisse nicht ignorieren», sagte Korkut nach der Niederlage gegen Dortmund: «Ich habe die größte Verantwortung dafür.» Besonders kämpferisch klang es nicht, als Korkut anfügte: «Wir müssen schauen, was wir verändern können, um die Ergebnisse zu erreichen. Wenn das die Personalie Tayfun Korkut ist, dann ist das so.» Immerhin sagte der Coach vor dem entscheidenden Gespräch mit Kind: «Ich spüre immer noch das Vertrauen.» Am Tag nach dem Spiel leitete er das Training.

Dufners «Tendenz» spricht für den Trainer. «Wenn du das Spiel siehst und die Mentalität der Mannschaft und die Reaktionen zum Trainer, dann sind das klare Aussagen», sagte der Manager. Und er fügte an: «Wir sind voll des Glaubens, dass wir in der Besetzung gegen Frankfurt gewinnen werden.» Ob dieses «wir» tatsächlich auch den Clubchef mit einschließt, blieb offen.

Zumindest jene Spieler, die nach der erneuten Niederlage redeten, sprachen sich für den Coach aus. «Ich bin vom Trainer überzeugt», versicherte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler. Und Leonardo Bittencourt, der Team und Trainer mit seiner unnötigen Gelb-Roten Karte (55. Minute) schwächte, erklärte: «Das Spiel hat gezeigt, dass wir zusammen aus dieser Krise raus wollen. Deshalb macht es keinen Sinn, über den Trainer zu reden. Der macht seine Arbeit sehr, sehr gut, wie man auf dem Platz sieht.»

Auch Kind war von dem Auftritt gegen den BVB angetan. «Wenn man das Spiel betrachtet, kann man mutig sein. Die Mannschaft will», sagte der 96-Boss, sie sei gegen Dortmund «unglaublich energisch aufgetreten». Aber, schränkte Kind ein: «Es gehören auch Fragen dazu, warum uns das nicht über die gesamte Spielzeit gelungen ist oder in allen Spielen.»