Kittel holt Etappensieg und Rosa Trikot - «Sehr speziell»

Marcel Kittel riss die Fäuste in die Luft, und sein Rivale André Greipel klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Mit einem weiteren «Finale furioso» hat sich der deutsche Topsprinter seinen zweiten Etappensieg beim 99. Giro d'Italia geholt und auch das begehrte Rosa Trikot erobert.

Kittel holt Etappensieg und Rosa Trikot - «Sehr speziell»
Bas Czerwinski Kittel holt Etappensieg und Rosa Trikot - «Sehr speziell»

Wie schon am Vortrag sprintete der 27-Jährige auf dem 190 Kilometer langen Teilstück von Nimwegen nach Arnheim am Sonntag in seiner eigenen Liga und löste dank der zehn Sekunden Zeitgutschrift den Niederländer Tom Dumoulin an der Spitze der Gesamtwertung ab.

Bei sommerlichen Temperaturen war Kittel vor den Augen mehrerer hunderttausend Radsport-Fans auf der Zielgerade im Herzen von Arnheim erneut nicht zu schlagen. Der Kapitän des Etixx-Quickstep-Teams setzte sich souverän vor den Italienern Elia Viviani und Giacomo Nizzolo durch. Greipel belegte den vierten Platz. Damit holte sich Kittel bereits seinen zehnten Saisonsieg, womit er der erfolgreichste Fahrer in 2016 bleibt.

Als Belohnung darf er auf der vierten Etappe am Dienstag - einen Tag vor seinem 28. Geburtstag - das Rosa Trikot bei der Giro-Rückkehr nach Italien tragen. Neun Sekunden beträgt nun Kittels Vorsprung in der Gesamtwertung auf Dumoulin und dem Slowenen Primoz Roglic.

Für Kittels deutschen Rivalen André Greipel läuft es dagegen noch nicht rund. Der zehnmalige Tour-de-France-Etappensieger war nach Platz 15 am Samstag diesmal wenigstens im Finale vertreten. Noch bitterer lief es für Jean-Christophe Peraud, den Tour-Zweiten von 2014. Nach einem Sturz auf das Gesicht musste der Franzose aufgeben.

Der große Triumphator beim Giro-Abstecher in den Niederlanden heißt zweifelsohne Kittel. Zwei Etappensiege, dazu neben dem Rosa auch das Rote Trikot für den punktbesten Fahrer - mehr geht kaum. «Das ist für mich sehr speziell», sagte der Modellathlet und betonte: «Nach meinem schweren Jahr eine Etappe bei einer großen Rundfahrt zu gewinnen, bedeutet mir sehr, sehr viel.»

Entsprechend wird der Sprintstar bei den Italiener gefeiert. «Kittel fliegt zum Kuss», war auf der Titelseite der Gazzetta dello Sport am Sonntag zu lesen. Denn als wichtigster Fan wartete auf den Etappen im Gelderland seine Freundin Tess von Piekartz, eine niederländische Volleyball-Nationalspielerin, hinter der Ziellinie auf Kittel.

Die Rückkehr in die Weltspitze ist ihm jedenfalls eindrucksvoll gelungen. Nach seinem Seuchenjahr 2015, als er im Zuge einer Viruserkrankung alle wichtigen Rennen verpasste und nur einen Saisonsieg verbuchte, präsentiert sich der 27-Jährige in einer erstaunlichen Form. So wie 2013 und 2014, als er jeweils vier Tour-Etappen gewann, darunter jeweils die Prestige-Sprints zum Auftakt und zum Ende.

Aus Kittels Gesicht strahlt die pure Freude. Der 27-Jährige lacht, scherzt mit den Kollegen, schreibt gerne Autogramme. Kittel ist zurück im Rampenlicht und vielleicht ist er auf dem Rad sogar stärker denn je. «Ich bin schon sehr erleichtert. Ich hatte den besten Saisonstart meiner Karriere. Dass es so gut läuft, ist keine Selbstverständlichkeit», sagt der Topsprinter. Im Winter habe er hart trainieren können, nicht einmal sei er krank gewesen.

Die dritte und letzte Etappe auf niederländischem Boden entwickelte sich fast schon typisch für eine Sprinteretappe. Eine vierköpfige Ausreißergruppe, darunter wie am Vortag der Niederländer Maarten Tjallingii und der Italiener Giacomo Berlato, durfte ihr Glück versuchen. 1,7 Kilometer vor dem Ziel wurde der letzte Ausreißer Johann van Zyl (Südafrika) gestellt.

Nach dem ersten Ruhetag am Montag folgt die vierte Etappe über 200 Kilometer von Catanzaro nach Praia a Mare. Das Terrain wird dann welliger, trotz zweier Berge der dritten Kategorie hat Kittel Chancen, sein Rosa Trikot erfolgreich zu verteidigen.