Klare Warnung für die FIFA - Reform-Euphorie ist getrübt

Nach der neuen Anklagewelle der US-Justiz gegen 16 Fußball-Funktionäre steht die FIFA mehr denn je am Pranger. Der moralische Schaden ist für den Weltverband enorm.

Klare Warnung für die FIFA - Reform-Euphorie ist getrübt
Walter Bieri Klare Warnung für die FIFA - Reform-Euphorie ist getrübt

Schlimmer noch: Die erhoffte Aufbruchstimmung durch das Ja des Exekutivkomitees um Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu einem Reformpaket mit historischem Anstrich ist gleich wieder verpufft. US-Generalstaatsanwältin und Justizministerin Loretta Lynch machte mit ihren Aussagen in Washington deutlich, dass die Ermittlungen ihrer Behörde in der wohl größten Untersuchung gegen Korruption im Fußball weitergehen. Ruhe wird bei der FIFA also nicht einkehren, unabhängig aller Reformbemühungen und Umstrukturierungen der Verbandsgremien, die am Hauptsitz in Zürich stolz präsentiert worden waren.

«Die Botschaft dieser Mitteilung sollte jedem schuldhaften Individuum klar sein, dass im Dunklen bleibt, in der Hoffnung, sich unseren Untersuchungen entziehen zu können: Sie können die Sache nicht aussitzen, sie werden unserem Fokus nicht entkommen», sagte die Top-Juristen nach den neuen Anschuldigungen und Festnahmen wegen illegaler Millionendeals im süd- und mittelamerikanischen Fußball.

Beunruhigend für die FIFA war die neue Namensliste der von Lynch angeklagten Funktionäre. Ein Abschieben der Problematik Richtung entfernter Konföderationen oder Mitgliedsländer ist nicht möglich. Neben den fünf ehemaligen und früheren Mitgliedern des Exekutivkomitees sind unter den 16 der massiven Korruption beschuldigten Männern auch mehrere aktuelle Mitglieder der ständigen FIFA-Komitees - darunter ausgerechnet aus Abteilungen für Fair Play und soziale Verantwortung (Jimenez Brayan/Guatemala), der FIFA-Disziplinarkommission (Ariel Alvarado/Panama) und sogar aus dem Komitee für gute Unternehmensführung (Romer Osuna/Bolivien).

Letztere wird von FIFA-Reformarchitekt Domenico Scala geführt, der ein Experte für die Integritätschecks von Funktionären sein soll. Dieses Instrument bezeichnet die FIFA als maßgebliche Verbesserung bei der künftigen Auswahl von Amtsinhabern und Kernfaktor der Reformen - bislang hat dies offenbar nicht mal in der Kommission von Scala selbst funktioniert. Wie die Mechanismen für eine moralische Eignungsprüfung künftig konkret verbessert werden soll, konnte die FIFA noch nicht erläutern.

«Ich stelle keine Hypothesen auf, aber es sind klare Vorschläge», hatte der Chef der Reformkommission, Francois Carrard, auf die Frage gesagt, ob mit den Reformen Verfehlungen künftiger Funktionäre ausgeschlossen sein. Der Schweizer scheint zu wissen: Das System dürfte weiter Löcher haben.

Für die FIFA geht es in den kommenden Wochen bis zum Wahlkongress am 26. Februar weiter primär um die Wiederherstellung von Vertrauen, wie Interimsgeneralsekretär Markus Kattner sagte. Nur so können auch neue Sponsoren gewonnen werden, die die FIFA nach einem Jahr mit einem angeblich dreistelligen Millionendefizit braucht.

Vermutlich wird der Weltverband darauf verweisen, dass gerade die Zahl der ständigen Komitees, in denen nun mehrere Beschuldigte saßen, von 26 auf 9 verkleinert werden soll. «Viele Komitees gab es nur, weil jeder der 209 Mitgliedsverbände irgendwo vertreten sein sollte», gab Carrard einen erschütternden Einblick in die FIFA-Philosophie.