Klatschen für Malanda - Bayern lockt Mega-Vorsprung

Für den VfL Wolfsburg ist es gleich in doppelter Hinsicht das schwierigste Match des Jahres. Gegen Rekordjäger Bayern München im Spitzenspiel zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga wird der Tabellenzweite mit vielen Emotionen an den tragischen Unfalltod von Junior Malanda erinnert.

Klatschen für Malanda - Bayern lockt Mega-Vorsprung
Peter Steffen Klatschen für Malanda - Bayern lockt Mega-Vorsprung

«Ich hoffe, dass wir dem auch gerecht werden können», sagte VfL-Coach Dieter Hecking angesichts der Brisanz vor dem Schlagerspiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen den schier übermächtigen Spitzenreiter. Hecking versuchte dies gar in Motivation umzuwandeln: «Junior würde sich freuen, wenn wir die Bayern schlagen.»

Mit elf Punkten Vorsprung auf Wolfsburg steht Spitzenreiter FC Bayern aber vor einem frühen Meilenstein auf dem Weg zum 25. Titel. «Es hängt von uns ab. Wir wissen, wie wichtig die ersten zwei Spiele der Rückrunde sind. Wenn wir in der Lage sind, diese zu gewinnen, dann können wir einen großen Schritt in Richtung Titelverteidigung machen», sagte Bayern-Coach Pep Guardiola vor dem Rückrundenauftakt.

Doch angesichts der schrecklichen Ereignisse um Malanda am 10. Januar, als der VfL-Mittelfeldspieler bei der Anreise zum Abflug ins Trainingslager nach Südafrika auf der Autobahn starb, rückte die sportliche Konstellation am Donnerstag noch einmal in den Hintergrund. Offenbar um den psychologischen Druck auf die VfL-Profis vor dem Spiel nicht zu groß werden zu lassen, verzichtet Wolfsburg bewusst auf eine Schweigeminute im herkömmlichen Sinne.

«Wir haben uns viele Gedanken gemacht und mit den Fans ausführlich gesprochen. Gemeinsam ist man dann zur Entscheidung gekommen, nicht eine Minute ruhig zu sein. Es soll an den Stil der Trauerfeier in Belgien angeknüpft werden: Es wird eine Minute geklatscht», sagte VfL-Sportchef Klaus Allofs und erinnerte an die Gospeleinlagen beim Trauergottesdienst in Brüssel.

Dennoch erwartet auch Bayern-Keeper Manuel Neuer angesichts von Trauerflor und einer emotionalen Choreographie der Wolfsburger Fans «eine komische Stimmung im Stadion». Eine Stimmung, die den VfL auch lähmen könnte. «Es wird vor dem Spiel noch mal Thema sein», sagte Jérôme Boateng: «Dann geht es zum Fußball über, was gerade für die Wolfsburger Mannschaft nicht einfach sein wird.» Hecking widersprach jedoch: «Ich glaube nicht, dass der Fall sein wird. Wir haben viele Gespräche geführt. Seit dem schwierigen Tag der Vorbereitung hat die Mannschaft Fahrt aufgenommen.» Münchens Sportvorstand Matthias Sammer glaubt ohnehin, dass die Wolfsburger ab der ersten Minute für Junior Malanda «fighten» - «Wir aber auch.» Bei aller Anteilnahme werde es letztlich nach dem Anpfiff kein anderes Spiel werden.

Die Liga dürfte sich im Falle eines VfL-Erfolges sicher über einen Hauch mehr an Spannung in der Rückrunde freuen, auch wenn der Vorsprung der Münchner selbst im Falle einer Niederlage immer noch acht Punkte betragen würde. «Viele werden uns die Daumen drücken, dass wir doch mal gegen die Bayern gewinnen können», meinte Hecking und äußerte Zuversicht: «Wir sehen unsere Chance. Wenn wir alles abrufen sind wir ein Gegner, der ihnen alles abverlangen wird». Zudem muss der in dieser Saison noch unbesiegte Tabellenführer auf Franck Ribéry und Rafinha verzichten, deren Verletzungen Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer aber als «Kleinigkeit» bezeichnete. Hecking konnte über diese Nachricht nur schmunzeln: «Dann spielt wahrscheinlich halt ein Weltmeister.»

Trotz der Verletzungen klangen die Worte aus München schon wieder wie eine Drohung für die Liga. «Wir haben eine sehr gute Vorrunde gespielt, aber noch nichts gewonnen. Wir wollen unser Spiel noch ein Stück weit mehr verbessern», meinte Bastian Schweinsteiger, dessen Team auch Rekorde jagt: 29 Saisonsiege oder die bisherige Bestmarke von 49 Rückrundenpunkten gilt es etwa zu schlagen. Auch elf Punkte Vorsprung sind der größte Vorsprung eines Teams nach einer Hinserie. Hoffnung für die Liga gibt es dennoch: Andererseits sind elf Punkte nämlich zugleich auch der größte Abstand, der von einem Team jemals aufgeholt wurde: Vom VfL Wolfsburg in der Meistersaison 2008/2009.

Wolfsburg: Benaglio - Jung, Naldo, Knoche, Rodriguez - Luiz Gustavo, Arnold - Vieirinha, De Bruyne, Perisic - Dost (Olic)

FC Bayern München: Neuer - Rode, Boateng, Dante, Bernat - Xabi Alonso, Schweinsteiger - Robben, Müller, Götze - Lewandowski

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)