Klimakonferenz vertagt wichtigen Punkt

Erschöpfte Klima-Unterhändler, Enttäuschung bei den Entwicklungsländern und hartes Ringen um einen Kompromiss: Auf der UN-Klimakonferenz in Warschau suchen die Delegierten weiter nach Einigung über Kernthemen.

Immer wieder wurden bereits abgeschlossene Papiere geöffnet und neue Entwürfe zu verschiedenen Punkten präsentiert. Am Samstagnachmittag vereinbarten die Teilnehmer auf Arbeitsebene zwar einen Fahrplan für den Weltklimavertrag, der bis 2015 in Paris abgeschlossen werden soll. Das Papier ist aber äußerst diffus, und der wichtigste Punkt wurde vertagt - er hängt an dem Wort Verbindlichkeit.

«Das Papier sagt zwar, dass auch die Ziele der Schwellenländer Rechtskraft haben. Wie verbindlich das ist, bleibt aber offen», kritisierte Christoph Bals von der Organisation Germanwatch. Der Entwurf war am Samstagnachmittag noch nicht im Plenum verabschiedet worden, auch das Thema Finanzen stand noch aus.

Im Namen der G77-Staaten und China klagte der Vertreter Bangladeschs, die Warschauer Konferenz sei hinter vielen Erwartungen zurückgeblieben. «Wir sind mit sehr großer Hoffnung und Erwartung nach Warschau gekommen, wir wollten klare Meilensteine (für den Klimavertrag 2015 in Paris)», sagte er. «Wir weichen klar von den Hauptzielen ab. Was geschieht mit den Menschen wie in meinem Land, was passiert mit den Menschen auf den Philippinen?»

«Wir sind sehr enttäuscht», sagte auch der Vertreter Boliviens. Es fehle an klaren Aussagen. «Wir brauchen konkrete Zahlen, um in den Entwicklungsländern Anpassungsmaßnahmen zu verstärken. Stattdessen haben wir nur vage Formulierungen», kritisierte eine philippinische Delegationsvertreterin. «Wir haben nichts als einen völlig unausgewogenen Text erhalten.»

Vertreter von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die die Konferenz am Donnerstag unter Protest verlassen hatten, zeigten sich ebenfalls enttäuscht. «Der derzeitige Text über Finanzen ist nichts als eine Übung in sprachlicher Yoga», sagte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima in einer Stellungnahme am Samstag. «Im dritten Jahr im Folge haben die (Teilnehmer-)Länder einen neuen Weg gefunden, absolut nichts zu sagen. Das wird einige der ärmsten und am schwersten von Klimafolgen betroffenen Länder der Welt mit tiefen Löchern in ihren bereits knappen Budgets zurücklassen.»

Einziger Lichtblick für die Konferenz war ein Rahmenpapier für den Waldschutz. Darin wird festgelegt, unter welchen Bedingungen arme Länder im Rahmen der Klimaverhandlungen Geld für den Schutz ihrer Wälder erhalten können. UN-Klimachefin Christiana Figueres sagte, dies werde helfen, die Freisetzung von Kohlendioxid durch die Zerstörung der Wälder deutlich zu reduzieren. Diese trägt derzeit zu rund 20 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Das Papier wurde bereits vom Abschlussplenum angenommen.

«Die Entscheidung ist ein guter Rahmen für den Schutz der Wälder, deren Einwohner und deren Artenvielfalt», sagte Waldexpertin Kristin Gerber von der Organisation Germanwatch. «Dies ist ein Licht am Horizont für eine baldige Umsetzung des Waldschutzprogramms.» Der Vertrag sei aber noch nicht soweit fertig, dass nun schon Geld eingezahlt werden könnte.