Klinik bestätigt: Berliner Kleinkind starb an Masern

Das Berliner Uniklinikum Charité hat den Masern-Tod eines Kleinkindes in Berlin bestätigt. Der vorläufige Obduktionsbericht liege jetzt vor, teilte die Klinik mit. «Bei dem Kind lag eine Erkrankung vor, die ohne die Masern-Infektion nicht zum Tode geführt hätte», hieß es darin.

Der Fall und eine Masern-Welle in Berlin mit bislang mehr als 570 Erkrankten hatten eine Debatte um die Impfpflicht ausgelöst.

Auch am Dienstag sprachen sich Politiker dafür aus: Der Schutz sei «in Abwägung zur Erkrankung mit möglichen Folgeschäden das klar bessere und risikoärmere Mittel», sagte der Neuköllner Stadtrat für Gesundheit, Falko Liecke, laut einer Mitteilung. In dem Bezirk wurden bisher mehr als 100 Fälle gemeldet.

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) schließt die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder nicht mehr grundsätzlich aus - aber nur als allerletztes Mittel. «Klar ist: Das würde einen erheblichen Eingriff in das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und in das Sorgerecht der Eltern bedeuten», sagte Huml am Dienstag dem «Münchner Merkur».

Die Masern-Welle macht sich auch an Kliniken bemerkbar: In den Häusern des Konzern Vivantes etwa seien vor allem Menschen zwischen 20 und 45 Jahren stationär aufgenommen worden, sagte der Mediziner und Pandemiebeauftragter der Kliniken, Christian Träder. Wegen der Auslastung durch die Grippewelle habe man aber nicht alle Patienten annehmen können. «Im Normalfall stehen Erwachsene die Masern auch zu Hause durch.» Träder berichtete auch von Fällen, in denen Berliner die Masern aus der Ukraine mitgebracht hätten. Reisen und Migration sieht er neben Impflücken in der Bevölkerung als wesentliche Faktoren für den Ausbruch.

Die am Montag wegen Masern geschlossene Schule in Berlin-Lichtenrade hat den Unterricht am Dienstag wieder normal aufgenommen. Auslöser der vorsorglichen Schließung war ein an Masern erkrankter Jugendlicher. Das Gesundheitsamt habe inzwischen die Impfbücher von Mitschülern und Lehrern überprüft, sagte die Bezirksstadträtin für Gesundheit. Vom Unterricht ausgeschlossen worden seien fünf Schüler, die keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen konnten. Sie müssen dies nun nachholen.

Einen weiteren Todesfall bei einem Kleinkind in Berlin meldet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Ein knapp zwei Jahre alter Junge sei Anfang Februar an den Folgen einer Meningokokken-B-Infektion gestorben. Gegen diese Krankheit könne ebenfalls geimpft werden. Pro Jahr sterben den Angaben zufolge bis zu 30 Kinder in Deutschland daran. Die Impfung sei allerdings noch nicht Teil des Impfplans der Ständigen Impfkommission und müsse oft von Eltern selbst bezahlt werden.