Klitschko in den USA im Schatten von Mayweather

In den USA grassiert das Box-Fieber. Aber nicht wegen der Titelverteidigung von Weltmeister Wladimir Klitschko am Samstag in New York gegen Bryant Jennings, sondern wegen des «Kampf des Jahrhunderts» sieben Tage später in Las Vegas zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao.

Klitschko in den USA im Schatten von Mayweather
Andrew Gombert Klitschko in den USA im Schatten von Mayweather

Die Garantiebörse beläuft sich auf 250 Millionen Dollar, Schätzungen der Gesamteinnahmen reichen gar bis 400 Millionen Dollar.

«HBO trommelt für beide Kämpfe», widerspricht Klitschko-Manager Bernd Bönte dem Eindruck, sein Schützling gehe im medialen Ballyhoo gegen den Amerikaner Mayweather unter. Doch der US-Bezahlsender unterscheidet sehr wohl: Den Kampf des Ukrainers darf jeder Abonnent sehen. Für das Duell Mayweathers mit dem Filipino Pacquiao muss der HBO-Kunde 100 Dollar im Pay-per-View-Verfahren berappen. In Skandinavien sind es 70 Euro. In Deutschland verlangt der Pay-TV-Sender Sky eine Extragebühr von 20 Euro. Klitschko gibt es dagegen am Sonntagmorgen von 4.20 Uhr an kostenlos bei RTL.

«Pay per View ist für besondere Attraktionen reserviert. Eine solche ist der Klitschko-Kampf nicht», erklärt Boxmanager Wilfried Sauerland vom Berliner Konkurrenzstall. Für Mayweather will der 75-Jährige in seiner südafrikanischen Wahlheimat noch vor dem Morgengrauen aufstehen. «Für Klitschko mach ich das nicht. Den Kampf werde ich aufzeichnen», sagt Sauerland senior.

Klitschko zeigt trotz erdrückender Konkurrenz Großmut: «Ich freue mich, dass so ein Event mit so viel Aufmerksamkeit und so viel Geld im Boxsport passiert.» Fraglos würde auch er gern in den Genuss eines solchen Geldregens kommen. Sein Manager hat für das eigene Lager aber einen entscheidenden Vorteil ausgemacht. «Wladimir können 60 Millionen HBO-Abonnenten regulär sehen. Außerdem wird der Kampf in 150 Ländern gezeigt. Beim Mayweather-Kampf geht man von drei Millionen Pay-per-View-Kunden aus», betont Bönte.

Klitschko braucht bei seiner Rückkehr in die USA die Öffentlichkeit dringend. Der promovierte Sportwissenschaftler ist nicht der Liebling der Amerikaner. Bei seinem letzten New-York-Auftritt vor sieben Jahren gegen den Russen Sultan Ibragimow musste er sich trotz Punktsieges Schmäh-Kritiken gefallen lassen. Sein vorsichtiger und kontrollierter Boxstil passt nicht ins Hau-drauf-Erwartungsprofil des klassischen US-Boxfans. «In Amerika gilt er als Langweiler. Dort muss er mehr mit dem Publikum als mit dem Gegner im Ring kämpfen», sagt Jean-Marcel Nartz, einst Technischer Leiter bei Sauerland und Universum. Klitschko will seinen Stil aber nicht ändern. «Wladimir boxt mit Köpfchen. Warum soll er das aufgeben und ins offene Messer laufen?», fragt Bönte.

Multimillionär Klitschko kann von den 150 Millionen Dollar, die allein Mega-Hyper-Superstar Maywaether kassiert, nur träumen. «Neid kommt da überhaupt nicht auf», sagt Bönte. «Als Wladimir mit dem Kampf gegen David Haye im britischen Per-per-View gezeigt wurde, war er auch sehr erfolgreich.» In diese TV-Sondervergütung will der 39-jährige Klitschko erneut vordringen. Nach dem eingeplanten Sieg über Jennings könnte es soweit sein. Im Gespräch sind der amerikanische WBC-Weltmeister Deontay Wilder (33 Siege, 32 K.o.) und der Brite Tyson Fury (24 Siege, 18 K.o.). An Moneymaker Mayweather reichen sie aber allesamt nicht heran.