Klopp fokussiert sich auf Wesentliches

Jürgen Klopp gab sich sehr zielgerichtet. Nur keine Emotionen zeigen, sich ausschließlich auf das Sportliche konzentrieren. Er sei ja nicht auf Abschiedstour, betonte der Fußball-Lehrer am Tag nach der Ankündigung, Borussia Dortmund zum Saisonende vorzeitig zu verlassen.

Klopp fokussiert sich auf Wesentliches
Bernd Thissen Klopp fokussiert sich auf Wesentliches

Und bitte nicht rührselig werden - Klopp forderte die BVB-Fans dazu auf, die Samstags-Partie gegen den SC Paderborn als ganz normale Begegnung zu betrachten, in der es für den Aufsteiger und sein Team «um alles» gehe.

Klingt logisch, wenngleich dezent übertrieben. Immerhin: Die Ostwestfalen wollen nicht sofort wieder absteigen, Klopp und Co. möchten möglichst noch einen internationalen Wettbewerb erreichen. Da ist für Sentimentalitäten kein Platz. Wie werden die BVB-Anhänger reagieren? Klopp weiß es nicht, kann es nicht vorempfinden. Aber: «Ich bin so im Reinen mit den Leuten, dass ich nichts brauche und nichts erwarte.»

Dann ließ Klopp doch einen kleinen Einblick in Interna zu, obwohl er zu bedenken gab, so etwas noch nie gemacht zu haben: «Wie soll ich wissen, wie so etwas wirkt?» - Klopp gab die Antwort, wie seine Spieler am Mittwoch die Nachricht von seinem Aus nach dieser Saison aufgenommen hätten, selbst: «Es hat keiner applaudiert, im Sinne: Was ein Glück!» Da musste Klopp lächeln, und auch in den verbleibenden Trainingseinheiten lautet sein Credo: «Lachen auf dem Platz ist erlaubt!»

Dem BVB-Coach ist klar, dass die Mannschaft ihn nicht gern ziehen lässt. In den sozialen Netzwerken bedankten sich Profis wie Ilkay Gündogan oder Kevin Großkreutz für die tollen Jahre. Er selbst sei nicht in den sozialen Netzwerken, «aber ich habe das alles registriert. Und das ist großartig». Er habe bei den Dankes- und Lobesbekundungen «schon akzeptiert, dass es schwerer fällt, sich darauf einzulassen». Wehmut allerdings soll erst zum geeigneten Zeitpunkt aufkommen.

Was Klopp sich von seinen Jungs wünscht für die restlichen sechs Bundesligaspiele und das Halbfinale im DFB-Pokal bei den Bayern, nannte er klipp und klar: «Dass sie aus der gemeinsamen Geschichte noch einmal Kraft ziehen.» Und damit vielleicht am Ende doch seinen persönlichen Traum ermöglichen, noch einmal auf dem Lastwagen um den Dortmunder Borsigplatz zu fahren.

Sein Paderborner Kollege André Breitenreiter zeigte «großen Respekt» vor Klopps Rückzugsentscheidung. «Hut ab! Es zeugt von seiner menschlichen Qualität der Selbstreflexion», sagte Breitenreiter. Doch das alles ficht den scheidenden BVB-Coach aktuell nicht an: Er will auf der Schlussetappe seiner Dortmunder Zeit noch einmal das von seiner Mannschaft verlangen, was er fast immer getan hat: Vollgas-Fußball: «Das ist eine super, super, super wichtige Phase. Man muss es einfach richtig angehen. Alle müssen sich auf dieses Spiel einlassen.»

Wie Klopp seine Startelf gegen Paderborn formieren wird, ist ihm selbst noch unklar. Im Kader sei «noch fast nichts sicher». Neue Ausfälle für Samstag (15.30 Uhr/Sky) sind Sebastian Kehl und Neven Subotic. Mittelfeldspieler Kehl zog sich einen Bruch der sechsten rechten Rippe zu und kann erst in zwei Wochen wieder mitwirken. Innenverteidiger Subotic erlitt laut Klopp bereits am Dienstag einen «kleinen Bandscheibenvorfall». Nuri Sahin, Oliver Kirch und Lukasz Piszczek fallen ohnehin aus.