Kämpfe mit Geiselnehmern von Nairobi verschärfen sich

Schock in Nairobi: Maskierte stürmen ein Einkaufszentrum, morden und nehmen Geiseln. Es gibt Dutzende Tote. Zu dem Angriff bekennt sich eine Islamisten-Miliz aus Somalia. Ihr Motiv: Rache.

Islamistische Terroristen haben in einem Einkaufszentrum in Nairobi ein Blutbad mit mindestens 59 Toten und 175 Verletzten angerichtet. Unter Einsatz von Waffengewalt drangen kenianische Elitetruppen am Sonntag tief in das Einkaufszentrum vor, wo die Terroristen der radikalislamischen Miliz Al-Shabaab sich mit Geiseln verschanzt hatten. Über dem vierstöckigen Gebäude kreisten Militärhubschrauber. Das berichtete das örtliche Fernsehen.

Am Sonntagabend waren aus dem Einkaufszentrum Schüsse und Granatenexplosionen zu hören. Weitere Sicherheitskräfte und Scharfschützen drangen in das Gebäude ein. Die Regierung bot die Elitetruppe Recce auf, um die Islamisten zu bekämpfen. Die Recce-Kommandos werden von israelischen Experten ausgebildet.

«Die Kriminellen befinden sich jetzt an einem einzigen Ort in dem Gebäude», hatte Präsident Uhuru Kenyatta am Nachmittag gesagt. «Wir haben eine gute Chance, die Terroristen zu neutralisieren.» Zuvor hatte er Überlebende in einer Klinik besucht. «Lasst uns zusammen als eine Nation trauern», sagte Kenyatta. Er selbst habe bei der Attacke seinen Neffen und dessen Verlobte verloren.

Unter den etwa 10 bis 15 Islamisten waren Kenyatta zufolge anscheinend auch Frauen. Die Terroristen hatten am Samstagmittag unter Einsatz von Maschinenpistolen und Handgranaten das exklusive Einkaufszentrum gestürmt, in dem vor allem Ausländer und reiche Kenianer shoppen gehen. Ein Augenzeuge in Nairobi sagte der dpa: «Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen.»

Unter den Toten sind mehrere Ausländer, darunter drei Briten, zwei Französinnen und eine Niederländerin. Mehrere US-Bürger wurden verletzt. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Hinweise darauf, dass auch Deutsche betroffen sein könnten.

In einem Al-Shabaab-Tweet hieß es, in dem Gebäude hätten sich noch mehrere «Mudschahedin» verschanzt. Die Männer seien «ruhig und preisen Allah, dass sie für diese Aufgabe ausgewählt wurden». Wenig später sperrte Twitter den Account. Al-Shabaab nannte den Angriff eine Vergeltungsschlag für «Verbrechen» der kenianischen Armee in Somalia. Kenia hatte das Nachbarland in den vergangenen Jahren beim Kampf gegen die Extremisten militärisch unterstützt. Der Überfall war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren.

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilten den Überfall auf das Schärfste. Die USA sprachen von einem «sinnlosen Akt der Gewalt». Kremlchef Wladimir Putin äußerte in einem Beileidsschreiben die Hoffnung, dass Täter und Hintermänner gefasst und zur Rechenschaft gezogen würden. Die Europäische Union bot dem ostafrikanischen Land Hilfe an, ebenso die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte in Berlin. «In dieser schweren Stunde fühlen wir uns dem kenianischen Volk tief verbunden.»

Die Solidarität unter den Kenianern ist derweil riesig. Nachdem das Rote Kreuz und andere Organisationen dringend zu Blutspenden aufgerufen hatten, bildeten sich vor den eigens eingerichteten Zentren schon am Morgen lange Schlangen. Der Kurznachrichtendienst Twitter wurde von Solidaritätsbotschaften überschwemmt. Dennoch seien die Krankenhäuser völlig überfordert und hätten nicht genügend Blutkonserven, um die Verletzten zu behandeln, so das Rote Kreuz.