Künstler in London malten das «Das nackte Leben»

Eine Künstler-Gruppe wie «Der Blaue Reiter» oder die «Brücke» waren sie nicht. Es gab kein Manifest, kein niedergeschriebenes Programm. Und trotzdem hängen 120 Bilder von 16 britischen Künstlern jetzt gemeinsam im Museum für Kunst und Kultur in Münster in einer Sonderausstellung.

Künstler in London malten das «Das nackte Leben»
Bernd Thissen Künstler in London malten das «Das nackte Leben»

«Zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung», sagt Museums-Direktor Hermann Arnold. Und die Bilder, über die Hälfte Leihgaben aus Privatbesitz, kommen aus der ganzen Welt. Wie David Hockneys Pool-Bild «A Diver», das aus Australien nach Münster reiste.

Die Künstler waren zum Teil als Freunde miteinander verbunden, man kannte sich, tauschte Techniken aus, entwickelte sie weiter und stand sich gegenseitig Modell. Die Werke, alle entstanden zwischen 1950 und 1980, sind vom 8. November bis 22. Februar 2015 im Neubau des Museums für Kunst und Kultur zu sehen. Titel: «Das nackte Leben».

Dabei stehe der Name der Ausstellung nicht für nackte Haut, sondern im Übertragenen für das Unmittelbare und die Wahrhaftigkeit der Künstler, sagte Arnold. Sinnbildlich steht dabei Euan Uglows (1932-2000) «Die Diagonale», entstanden zwischen 1971 und 1977. Das Werk zeigte einen nackten Frauenkörper von der Seite lang ausgestreckt auf einem Stuhl.

Den Künstlerkreis, der sich selbst nicht als Gruppe sah, einte in den Jahren nach dem Krieg ein Wunsch. Während die Museums- und Kunstszene in Europa und den USA nach Abstraktion gierte, malten die Künstler in London bewusst gegenständlich. «Sie setzen sich mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander. Sie malten bewusst das, was um sie herum war», sagt Tanja Pirsig-Marshall, die zusammen mit Catherine Lampert das Konzept der Ausstellung entwickelt hat. In sechs Räumen zeigt das Museum Werke, die zum Teil über Jahre entstanden sind und vom Kunstmarkt erst Jahre später entdeckt wurden. 40 Jahre war «Wayne Sleep and George Lawson» von David Hockney nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. Der Künstler hatte das großformatige, klarstrukturierte Werk schlicht in seinem Atelier vergessen.

Herausragend in der Schau ist David Hockneys (77) von Kalifornien geprägtes Pool-Bild. Das zwölfteilige Werk zeigt beeindruckende Lichtreflexe und ist dabei ein Grenzfall zwischen Malerei und Druck. «Hockney hat das Papier dafür selbst hergestellt und Farbe auf das Papier gegossen. Anschließend hat er auf die Farbe gedrückt», beschreibt die Kuratorin die Technik.

Francis Bacon (1909-1992) Porträts, wie «Chimpanzee» aus dem Jahr 1955, kommen dagegen bekannt düster rüber. Das Triptychon des Malers, das beim Auktionshaus Christie's 2013 mit einem Verkaufserlös von 142 Millionen Dollar einen Versteigerungsrekord aufgestellt hatte, ist in Münster nicht zu sehen. «Wir haben es aber probiert», sagte Museumsdirektor Arnold.