Poststreik geht weiter: über 25.000 Beschäftigte im Ausstand

Im bereits fast zwei Wochen andauernden Streik bei der Post haben am Freitag bundesweit über 25.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Die Folgen seien dennoch überschaubar geblieben, sagte ein Postsprecher.

Etwa 80 Prozent der Briefe und Pakete würden pünktlich zugestellt. Verzögerungen beschränkten sich auf zwei bis höchstens drei Tage.

Postkunden mit zeitkritischen Gütern stellt der Streik dennoch vor Probleme: Das Kölner Unternehmen Studimed will per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Sendungen erzwingen. Durch fehlende Post sehe sich die Firma, die auf die Vermittlung von Medizin-Studienplätzen an ausländischen Universitäten spezialisiert ist, in ihrer Existenz bedroht, teilte Studimed mit.

In einem konkreten Fall gehe es etwa um die zum Monatsende ablaufende Frist für eine Bewerbung um einen Studienplatz in Litauen, sagte Studimed-Geschäftsführer Hendrik Loll am Freitag. Da beglaubigte Originalunterlagen eingereicht werden müssten, sei man dringend auf die Post angewiesen. Ein Postsprecher wollte den Fall auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

Eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts bestätigte am Freitag den Eingang des Antrags. An die Post sei nun auf postalischem Weg eine Aufforderung zur Stellungnahme geschickt worden. Nach der Zustellung des Schreibens habe die Post dann drei Tage dafür Zeit, so dass nicht vor Mitte kommender Woche mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

Die Gewerkschaft Verdi will vor allem die 49 regionalen Gesellschaften mit geringerer Bezahlung im Post-Paketgeschäft wieder in den regulären Haustarif aufnehmen. Im Gegenzug hatte sie Anfang Juni einen moderaten Gehaltsabschluss angeboten. Das Angebot lehnt die Post aber ab. «Ein moderater Abschluss allein ist keine dauerhafte Lösung», sagte der Post-Sprecher. «Wir müssen den Lohnkostenabstand zum Wettbewerb ausgleichen.» Die Regionalgesellschaften mit geringerer Bezahlung seien unverzichtbar.