Post und Verdi wieder am Verhandlungstisch

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post um kürzere Arbeitszeiten treten Arbeitgeber und Gewerkschaft auf der Stelle.

Bis zum Mittwochnachmittag gab es in der fünften Verhandlungsrunde in Königswinter bei Bonn keine Bewegung und es zeichnete sich auch keine Annäherung ab. Kurz vor Beginn der Verhandlungen hatte Verdi alle Warnstreiks eingestellt. Für die rund 140 000 Beschäftigten fordert die Gewerkschaft eine Verkürzung der Wochenarbeitszeiten um 2,5 Stunden auf 36 Stunden sowie 5,5 Prozent mehr Geld. Für die Verhandlungen wurden zwei Tage angesetzt.

In den vergangenen Tagen hatte sich der Tarifstreit nicht nur durch Warnstreiks verschärft. So warf Verdi der Post vor, Streikenden mit dem Arbeitsplatzverlust gedroht und Beamte als Streikbrecher eingesetzt zu haben. Am Dienstag hatte die Gewerkschaft beim Arbeitsgericht Bonn zudem eine einstweilige Verfügung beantragt, um gegen den unzulässigen Einsatz von Beamten während der Streiks vorzugehen. Darüber soll am Dienstag kommender Woche verhandelt werden. Das Unternehmen wies die Anschuldigungen zurück und forderte den Tarifpartner auf, den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen.

Hintergrund des Streits ist der Aufbau eines zweiten Zustellernetzes im Paketgeschäft durch die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften. Dort arbeiten laut Post bereits mehr als 6000 Menschen. Verdi sieht in dem Vorgehen einen Bruch von Vereinbarungen über ein Verbot der Fremdvergabe. Als Ausgleich hierfür verlangt die Gewerkschaft nun eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich.

Der Arbeitgeber hatte bei der vierten Tarifrunde vor gut einer Woche eine Verlängerung des Kündigungsschutzes sowie die Wiedereinführung eines arbeitsfreien Tages an Heiligabend und Silvester angeboten. Verdi sprach von einer Mogelpackung und brach die Verhandlungen ab.

Mit Warnstreiks in Sortier- und Briefzentren sowie in der Zustellung versuchte Verdi, weiteren Druck auf den Arbeitgeber auszuüben. Durch den Arbeitskampf erhielten manche Postkunden Briefe und Pakete nur mit Verspätung. Laut Post hielten sich bislang die Auswirkungen des Streiks aber in Grenzen.