Kohlschreiber gewinnt, Zverev verliert Davis-Cup-Debüt

Begeisterndes Debüt ohne Happy End: Teenager Alexander Zverev hat vor den Augen von Tennis-Legende Boris Becker einen ganz starken Einstand im deutschen Davis-Cup-Team gefeiert und eine Überraschung gegen den Weltranglisten-Siebten Tomas Berdych nur knapp verpasst.

Kohlschreiber gewinnt, Zverev verliert Davis-Cup-Debüt
Julian Stratenschulte Kohlschreiber gewinnt, Zverev verliert Davis-Cup-Debüt

Der 18 Jahre alte Hamburger musste sich in Hannover dem ehemaligen Wimbledonfinalisten erst nach fünf Sätzen mit 6:7 (6:8), 6:1, 6:4, 6:7 (5:7), 4:6 geschlagen geben.

Zuvor hatte Philipp Kohlschreiber ebenfalls in einem Match über die volle Distanz durch einen 3:6, 6:3, 6:4, 2:6, 6:3-Erfolg gegen Lukas Rosol für die 1:0-Führung gesorgt. Damit steht es im Erstrunden-Match gegen Tschechien nach dem ersten Tag wie erwartet 1:1.

Am Samstag könnte damit im Doppel bereits eine Vorentscheidung fallen. Bislang sind dafür Philipp Petzschner und Dustin Brown bei den Deutschen sowie Radek Stepanek und Jiri Vesely bei den Gästen nominiert. Änderungen sind jedoch kurzfristig möglich und werden auch erwartet. So könnten Kohlschreiber und Berdych wohl auch im Doppel zum Einsatz kommen.

Dank des erhofften und einkalkulierten Punktgewinns der deutschen Nummer eins lastete nicht mehr so viel Druck auf Zverev. «Ich habe am Donnerstag versucht, in ihn reinzuhören», erzählte Kohlschreiber. «Er hat gesagt: Hey, kein Problem, ich spüre keine Anspannung. Das war nicht das, was ich erwartet habe. Damit war es für mich gegessen. Da brauche ich ihm auch keinen Floh ins Ohr zu setzen.»

Und genau so cool und unbekümmert trat der Teenager dann auch auf. Vor 6600 euphorisierten Zuschauern in der nun fast vollen Arena auf dem Messegelände zeigte die Nummer 58 der Welt gegen den mehr als 50 Plätze besser notierten Weltklassespieler keinerlei Nervosität. Mit vereinzelten «Deutschland, Deutschland»-Rufen per Megafon unterstützten die Fans das größte Talent seit Jahrzehnten und den jüngsten deutschen Davis-Cup-Debütanten seit Becker im Jahr 1985.

Der dreimalige Wimbledonsieger und zweimalige Davis-Cup-Champion besuchte Zverev kurz vor dem Match noch in der Kabine und unterhielt sich mit ihm und seinen Eltern. «Wir können froh sein, dass wir ihn haben. Er hat nichts zu verlieren», sagte Becker. Auch von einem 0:3-Rückstand im ersten Satz ließ sich Zverev nicht aus der Konzentration bringen. Die Entscheidung fiel in einem hochklassigen Tiebreak - allerdings zugunsten des früheren Wimbledon-Finalisten.

Wie Zverev diesen unglücklichen Satzverlust nach 68 Minuten Spielzeit wegsteckte und anschließend in nur 27 Minuten den zweiten Durchgang für sich entschied, war bereits beeindruckend. Selbst auf der deutschen Bank schauten sich Kapitän Michael Kohlmann, Berater Niki Pilic und Konditionstrainer Carlo Thränhardt immer wieder fast schon ungläubig an und staunten über Tempo und Präzision des Debütanten.

Auch im weiteren Verlauf erlaubte sich Zverev fast keine echte Schwächephase. Den vierten Satz verlor er im Tiebreak, im fünften erwies er sich bis zum 3:3 als Gegner auf Augenhöhe. Dann kassierte er das Break zum 3:4 - und musste sich nach großem Kampf geschlagen geben. Becker war da schon nicht mehr in der Halle - nach dem ersten Satz musste er zum Flughafen und zurück nach London reisen.